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Die Prophezeiung, dass ihr Sohn Muzamil (hinten) mit 20 Jahren sterben wird, prägt das Leben von Sakina (Islam Mubarak).© Trigon Film

Mut zur Hälfte

Ein Festival erfindet sich neu: Das Internationale Filmfestival Freiburg (FIFF) das vom 20. bis 28. März hätte stattfinden sollen, startete mit seiner Ausgabe «34 einhalb» ein Alternativprogramm mit Neuem und Altem aus dem FIFF-Repertoire.

Aufgrund der momentanen Geschehnisse musste die 34. Ausgabe des Internationalen Filmfestivals Freiburg (FIFF) abgesagt werden. Nach dem Motto «Ein Auge weint, eines lacht, aber beide sind weit offen» enthüllte Mathieu Fleury, Präsident des FIFFs, an der Pressekonferenz die Ausgabe «34 einhalb» – sozusagen eine Ersatzausgabe welche ermöglichen soll, wenigstens einen Teil des Programms verteilt über das ganze Jahr zeigen zu können. Das ist möglich im Rahmen von anderen Festivals oder aber online, auf unterschiedlichen Film­portalen.

Auch in dieser Ausgabe bleibt das FIFF dem ursprünglichen Ziel des Festivals treu: Das Aufzeigen des Filmschaffens des Globalen Südens und Ostens – Filme aus Afrika, Asien, Lateinamerika oder Osteuropa – um damit einen Beitrag an die kulturelle Vielfalt in der Schweiz zu leisten. Nebst unzähligen anderen Ländern sind im diesjährigen Programm auch erstmals Filme aus Angola und dem Sudan vertreten.

Premiere im Wohnzimmer

Am 20. März hätte das FIFF die Eröffnung der 34. Ausgabe gefeiert, wenn dem Festival nicht, wie vielen anderen auch, der Coronavirus einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Grund zum Feiern gibt es aber trotzdem, denn seit dem 20. März ist der Film «You Will Die At Twenty» des sudanesischen Filmemachers Amjad Abu Alala auf der Streamingplattform filmingo.ch aufgeschaltet. Der Film war als Premiere im internationalen Wettbewerb für Langfilme des FIFF geplant und der Hauptdarsteller Mustafa Shehata wäre nach Freiburg gereist, um den Film vorzustellen.

Der Film zeichnet mit eindrücklichen, streckenweise fast poetischen Bildern ein Alltagsporträt, das geprägt ist von Religion. Der Protagonist des Films, Muzamil, wird einer Prophezeiung zufolge an seinem 20. Geburtstag sterben. Sein ganzes Leben ist fortan geprägt von diesem zukünftigen Ereignis. Er lebt einen ereignislosen Alltag, in einem staubigen Dorf im Sudan. Muzamil, der sprichwörtlich wandelnde Tod. Auch für seine Mutter Sakina ist Kummer und Trauer zur Gewohnheit geworden, so trägt sie beinahe nur schwarze Kleidung und Heiterkeit ist eine Seltenheit, auch für den Jungen Muzamil. Bis dieser den etwas abseits des Dorfes lebenden Suleiman trifft, einen zurückgekehrten Kameramann, der zwischen Alkoholsucht und Nostalgie versucht Muzamil beizubringen, dass er selbst über sein Leben bestimmen kann.

«Keep calm and watch movies»

Anstatt sich vor Publikum und in gefüllten Kinosälen den Fragen der Moderierenden zu stellen, werden die Gäste des FIFFs nun auf Facebook per Video willkommen geheissen. Zur Eröffnung meldet sich Pierre Monnard («Platzspitzbaby»), der am Festival einen Vortrag gehalten hätte, von zu Hause aus zu Wort und spendet eine Luftumarmung. Auch Timo von Gunten («La femme et le TVG»), der in diesem Jahr Teil der Jury gewesen wäre, tut sein Bedauern auf Facebook kund und rät allen Zuschauerinnen und Zuschauern: «Keep calm and watch movies».

Dass dies möglich ist, dafür hat das FIFF gesorgt. Nebst dem Eröffnungsfilm wird auch «Atbai’s Fight» des kasachischen Regisseurs Adilkhan Yerzhanov demnächst auf der Streamingplattform cinefile.ch zur Miete zur Verfügung stehen. Der Film war im internationalen Spielfilmwettbewerb eingeplant und erzählt vom Strassengangster Atbai, der an einem «Mixed Martial Arts»-Turnier teilnimmt, mit der Absicht sich zu rehabilitieren und seine Geliebte zurückzugewinnen.

Zu guter Letzt steht auf filmingo.ch gleich eine ganze kuratierte Liste zur Verfügung, in welcher neue, aber auch bereits am FIFF gezeigte Filme aufgeschaltet sind. Diverse Filmperlen und Publikumspreis-Gewinner lassen sich so gemütlich von zu Hause aus genies­sen und wecken die Vorfreude auf die nächste Ausgabe – hoffentlich wieder im gewohnten Rahmen.

www.fiff.ch
www.filmingo.ch
www.cinefile.ch

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