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Ein Kurator ohne Gewissen (r.).© Xenix Film
Cinématte, Bern

Kollision mit der Kunstwelt

Empathie kann nicht im Museum erworben werden: «The Square» von Ruben Östlund ist eine unbequeme Satire über das Auseinanderdriften der Gesellschaft.

Der Kunstslang ist bisweilen auch für Kunstaffine schwer verständlich. So ergeht es auch der Journalistin, die den Kurator eines Museums für Gegenwartskunst in Stockholm befragt. Doch selbst er kann den Ausstellungstext nicht erklären, denn hinter tiefgründig klingenden Worten verbirgt sich nur gähnende Leere.

Die Gesellschaftssatire «The Square» des schwedischen Regisseurs Ruben Östlund («Turist») spielt im Kunstmilieu der aufgeblasenen Kuratoren und klickgeilen Marketingheinis. Der dänische Schauspieler Claes Bang («The Bridge») spielt den Kurator als eitlen Schwadronierer, dem jegliche Empathie fehlt. Gleichzeitig konzipiert er sozialkritische Ausstellungen: Ein Quadrat vor dem Museum soll als «Refugium des Vertrauens und Wohlwollens» funktionieren, in dessen Innern alle dieselben Rechte haben. Aber hat der Tesla-Fahrer und Frauenheld selbst nicht längst den Bezug zum Mann von nebenan verloren? Als ihm sein Telefon gestohlen wird, sucht er die Schuldigen in einem Sozialbau und schreitet zu einem kindischen Racheakt. Der in Cannes ausgezeichnete Film beginnt als bissige Komödie und endet im traurigen Schlamassel.

Peinlich berührt

Der Film beschwört von Anfang an das Gefühl peinlich berührt zu sein herauf. Mit ausgeprägtem Sinn für Situationskomik lässt er die Kunstwelt und die reale Welt kollidieren. Etwa, wenn ein Mann mit Tourette-Syndrom eine prätentiöse Pressekonferenz stört oder ein Raumpfleger Teile eines Kunstwerks wegsaugt. In einer beängstigenden Szene schliesslich stellt er die Frage, was den Menschen vom triebgesteuerten Affen unterscheidet. Manchmal nicht allzu viel.

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