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Gross geworden in der ersten Drag-King-Band Südafrikas: Dope Saint Jude. © ZVG
Reitschule und Kornhausforum, Bern

Klingendes Kuriositätenkabinett

Einer bringt Totenköpfe zum Klingen, andere riskieren ihren Kopf für die Musik: Das 8. Norient Musikfilm Festival zeigt Filme, die Feminismus und Sexismus, Tradition und Innovation beleuchten und von der Wüste bis in die Favela reisen. Erstmals eingerahmt von einer Ausstellung.

«Es frustriert mich, dass immer dieselben Instrumente gebraucht werden», sagt der angesagte New Yorker Ton­sammler und Produzent Nick Koenig alias Hot Sugar. «Dabei hat sich dank Musikaufnahmen und Amplifiers alles verändert.» Der Film «Hot Sugar’s Cold World» begleitet den Protagonisten auf Geräuschsuche. Er findet Sounds in sich auflösenden Brausetabletten genauso wie in Katakomben, Feuerwerken oder Strassensignalen.

Der Film wird am Norient Musikfilm Festival gezeigt. Das Festival in der Reitschule, das neben Filmen auch Konzerte und ein Clubprogramm be­inhaltet, gleicht einem Kuriositätenkabinett über «neue Musik, Klänge und Lärm» und die Digitalisierung. Letztere ermöglicht den Zugang zu den klingenden Subkulturen von Pakistan, Osteuropa, Kingston, Rio, der Sahelzone bis nach Kapstadt.

Remix und «Reimagination»

Der Film «Inside the Mind of Favela Funk» etwa berichtet vom eigentlich verbotenen Musikstil Putaria oder dem «Funk ohne Respekt». Die Musik bildet den Sexismus in brasilianischen Favelas ab. Norient zeigt auch Filme zum Thema «Cultural Remixes & Shocks» sowie Musik aus Gefängnissen und der Wüste.

In Sachen «Black Culture» trumpft Dope Saint Jude live an einem Konzert auf. Die politische und feministische Rapperin verstärkt ihren Rap mit Gayle, einer Geheimsprache der Queerszene Südafrikas. Als Künstlerin ist sie grossgeworden in der ersten Drag-King-Band Südafrikas. Sie stellt im Frauenraum ihr neues Album «Re­imagine» vor.

Kein künstlerischer Einheitsbrei

Dass Musik Veränderung andeuten und neue Welten «reimaginieren» kann, beweist die Ausstellung «Seismographic Sounds – Visionen einer neuen Welt» im Kornhausforum, die das Filmfestival begleitet. Die vom Festivalleiter Thomas Burkhalter und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kuratierte Ausstellung macht überzeugend klar, «dass die digitale Globalisierung nicht zu einem künstlerischen Einheitsbrei führt».

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