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«Die Verrückten sind die unglücklichen Entdecker des Unsichtbaren»: Nathan Hofstetter in «Loulou»© Outside the Box
Kino Rex, Bern

#JeSuisLoulou

Nathan Hofstetters erster langer Dokumentarfilm «Loulou» erzählt sehr feinfühlig und mit unkonventionellen Aufnahmen vom Leben des schizophrenen Filmemachers aus Neuenburg. Obwohl ihn sein Psychiater davon abhielt, verarbeitet er seine psychische Krankheit stets filmisch. Das intime, autobiografische Werk ist im Kino Rex zu sehen.

Singen, filmen und alles von ganz nah betrachten – das sind die Stilmittel im ersten langen Dokumentarfilm des Neuenburger Regisseurs Nathan Hofstetter. Es sind aber auch seine eigenen Mittel, um sich zu beruhigen während einer intensiven Dekompensation oder einer stark schizophrenen Phase. Dabei hielt er sich einmal für eine Kameralinse, einmal für radioaktiv. Obwohl ihm der Psychiater dringend davon abriet, über sich selbst und die Krankheit einen Film zu machen, hat Hofstetter dies dreifach getan. Mit dem Ergebnis, dass sein erster Kurzfilm «Radio-actif» 2012 in Locarno ausgezeichnet wurde und der dritte Teil, «Loulou» am Dokumentarfilmfestival Vision du Réel lief.

«Entdecker des Unsichtbaren»

Hofstetter legt einen Film vor, der eine sehr persönliche Geschichte aufzeigt, aber auch absolut allgemeingültig ist. Ebenso prägen eigenwillige Nahaufnahmen und Stimmungsaufnahmen den Film, der mit dem starken Zitat beginnt: «Die Verrückten sind die unglücklichen Entdecker des Unsichtbaren.»

«Loulou» zeigt Hofstetter in ganz unterschiedlichen Lebenslagen, zeigt seinen Blick auf die Welt, seine Beruhigungsmechanismen, seine Weggefährten wie etwa der bipolare Freund, mit dem er dreckig über Diagnosen-Kauderwelsch lachen kann, um kurz darauf zum ernsten Kern der Sache vorzustossen. Auch Mutter, Vater, Schwester und die Freundin erhalten viel Raum – manchmal singend, dann einfach im nahen Fokus seiner Kamera. Hat er sie im Auge, so scheint es, beruhigt ihn das.

Hofstetter gelingt es, ein ruhiges Bild einer schwierigen Krankheit zu zeichnen. Man assoziiert diesen klugen und feinfühligen jungen Mann so gar nicht mit einem gewieften Serienkiller à la Edward Norton in «Primal Fear» oder anderen überzeichneten, schizophrenen «Psychos» im Film. Viel eher sieht man, wie jeder ein «Loulou» sein könnte oder etwas davon in sich trägt.

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