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Filmset am See: Das Kollektiv dreht auch in den gemeinsamen Ferien Pornos.© Climage
Kino Rex, Bern

Intim mit einem Pornokollektiv

Der Dokfilm «Ardente.x.s» erzählt von sechs Feminist*innen aus Lausanne, die neben Job und Studium ethische Pornos drehen. Regisseur Patrick Muroni begleitete sie zwischen Filmset und Diskussionsrunden.

«Käse ist ziemlich sexuell. Mehr als man denken würde», meint Méli, während sie hinter dem Tresen im Käseladen ihren Aufgaben nachgeht. Ihr Brotjob gefällt ihr. Was ihr Chef nicht weiss: Wenn sie nicht im Laden steht, dann dreht Méli mit ihrem Kollektiv Oil 
Productions Pornos – und zwar nicht nur hinter der Kamera. So nimmt der Dokumentarfilm «Ardente.x.s» seinen Anfang, der sechs junge Frauen und queere Personen begleitet, die pornografische Filme drehen, die «ethisch und dissident» sind. Ethisch, weil sie vertretbare Dreh- und Produktionsbedingungen für alle Beteiligten wollen – dazu hat das Kollektiv sogar ein Manifest verfasst. Dissident, weil ihre Produktionen nicht wie gewöhnliche Pornos daherkommen.

Der Freiburger Regisseur Patrick Muroni begleitete für seinen ersten Dok-Langfilm die Lausanner*innen auch auf ihren Pornosets. Nonkonformistisch und divers sind die Streifen allemal: Vom Setting über den Sound-track bis hin zu dem, was das Kollektiv in den Fokus rückt oder eben nicht, entspricht nichts dem Pornomainstream. So fängt die Kamera vor allem das Gesicht eines Masturbierendem ein, in einem anderen Film läuft treibende elektronische Musik.

Stets rauchend, stets im Gespräch

Die meisten Videos sind rituell-performativ inszeniert, improvisiert und abstrakt. Ein Kontext bleibt weg und wie die Figuren zueinander stehen, unklar. Da hat die Darstellerin, die ihrer Drehpartnerin mit einem Stock einen Schlag auf den Hintern verpasst, auch mal Schminke und Perücke auf, die an die Fasnacht erinnern.

Konsens steht für das Kollektiv an oberster Stelle. Vor dem Dreh wird rege diskutiert und sichergestellt, dass sich alle Darsteller*innen wohlfühlen. Dabei wechseln teilweise auch die Rollen der Kollektivmitglieder. Wenn eine Darstellerin in der einen Sequenz das Filmmaterial schneidet, lässt sie sich in der nächsten selbst dabei filmen, wie sie sich den mit Banane eingeriebenen Fuss ablecken lässt: «Das kitzelt», flüstert sie der filmenden Freundin zu.

«Ardente.x.s» ist aber nicht nur Metadokumentation, ein Film über die Filme des Kollektivs. Muroni gelingt es ganz gut, die Absichten und Ideale der sechs einzufangen, indem er sie abseits ihrer Sets diskret begleitet: im Ausgang, in der Ferienhütte, abends in einem Wohnzimmer, stets rauchend und diskutierend. Über die aufklärerische Wirkung von ethischen Pornos oder darüber, warum sie nicht einig gehen mit «Anti-Porno-Feministinnen». Zur Sprache kommt auch, was sie aus ihren Produktionen für ihr persönliches Sexleben mitnehmen. Am Ende sind es diese Gespräche, die «Ardente.x.s» erst richtig intim machen.

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