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In «Lasst die Alten sterben» suchen Möchtegernrebellen nach Feindbildern.© Filmbringer Distribution AG
Kino Rex, Bern

«Ich war ein braver Jugendlicher»

Mit «Lasst die Alten sterben» legt der Berner Regisseur Juri Steinhart seinen ersten Spielfilm vor. Er handelt von einer Generation, die nicht weiss, wogegen sie rebellieren soll – und von Steinharts eigener Jugend.

«Die letzten Tage waren turbulent», sagt Juri Steinhart. Mit dem grossen Interesse an seinem Spielfilmdebüt «Lasst die Alten sterben», der am ­Zurich Film Festival Premiere feierte, hatte der Berner Filmemacher nicht gerechnet. Protagonist ist der 21-jährige Kevin (Max Hubacher), der aus seiner behüteten und von Social Media gefilterten Welt ausbrechen und eine Revolution anzetteln will.

Steinhart ist seit 2001 im Filmgeschäft, zuerst war er Regieassistent und Aufnahmeleiter, später drehte er Kurz- und Auftragsfilme. Zuletzt von sich reden gemacht hat er mit der ­satirischen Webserie «Experiment Schneuwly» für das Schweizer Fernsehen. «Mein Traum wäre, mich ganz auf ein Projekt konzentrieren zu können», sagt Steinhart. In der Realität gehe das aber nicht. So hat er sieben Jahre auf «Lasst die Alten sterben» hingearbeitet. Den Anstoss gab eine Idee des Journalisten Simon Jäggi zu einem Dokumentarfilm über die Jugendunruhen der 80er-Jahre in Bern.

Casting für die Kommune

Trotz der langen Schaffensphase stellt der Film eine aktuelle Frage: Was passiert mit einer Generation, die keine Reibungsfläche mehr findet und nicht weiss, wogegen sie sich auflehnen soll? «Man darf und kann heute alles», sagt der 37-jährige ­Steinhart. Obwohl die Protagonisten im Film rund 15 Jahre jünger sind als er, nimmt er sich von seiner Kritik an den gelangweilten Jugendlichen nicht aus: «Ich sass in meiner Jugend oft vor dem Fernseher, war extrem brav und machte kaum Probleme».

Im Film versucht Kevin das Pro­blem zu lösen, indem er die 80er-Bewegung imitiert, die er aus den Erzählungen seines Vaters kennt. Er wird Punk und gründet eine Kommune – per Casting und mit Ämtliplan. Sie scheitern grandios. Aber auch ihre Eltern, mittlerweile gesetzte Bürger, kommen nicht besser weg. Steinhart verpackt seine Generationenanalyse in eine witzig-überdrehte Komödie vor Berner Kulisse.

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