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Mosimann thematisiert den Off-Space des Filmens zur Demontage der Alpenromantik.© Yannick Mosimann

Gestörte Alpenromantik

Im experimentellen Kurzfilm «Piz Regolith» spielt Regisseur Yannick Mosimann mit klischierter Bergromantik und stösst sein Publikum bewusst vor den Kopf. Der Film ist online am Slamdance-Festival zu sehen.

Vertraut und schön wirkt die Aufnahme einer Bergkette mit der Sonne, die dahinter verschwindet. Plötzlich verschiebt sich der Fokus und die Kameraeinstellung gibt preis, weshalb der Sonnenuntergang besonders hell leuchtet: Eine Hand hält ein Feuerzeug vor die Linse.

Diese Szene ist exemplarisch für den experimentellen Kurzfilm «Piz Regolith». «Ich wollte die mystischen Vorstellungen von der Bergwelt manipulieren und mit den Erwartungen des Publikums spielen, es vor den Kopf stossen», sagt Regisseur Yannick Mosimann.

Nebst dem Spiel mit Elementen der Bergromantik bringt Mosimann den Off-Space ins Bild. Den Raum, der normalerweise von der Kamera nicht eingefangen wird. Er rückt etwa das Filmteam selbst ins Bild oder zeigt, wie er Regie­anweisungen gibt. Nie lässt er so ein schwelgendes Gefühl zu, sondern vergegenwärtigt den Zuschauenden nach Brechtscher Manier konstant, dass sie einen Film gucken. «Ich sehe mich wie ein Zauberer, der seine Tricks zerstört, indem er sie verrät», sagt er.

Spiel aus Sprache und Ton

Die Bilder fing Mosimann im Gantrisch, im Tirol und in deutschen Alpenregionen ein. Nebst den Bildern faszinierten ihn vor allem die Geräusche der Alpen, die Dialekte und ihre Melodien. Wenn jemand im Film etwas sagt, geht es deshalb nie um den Inhalt, sondern um den Klang der Aussage. Die kaum verständlichen Worte driften fast immer in Musik ab und die Satzmelodien werden von Instrumenten aufge­griffen. Für dieses eindrückliche Spiel aus Sprache und Ton ist die tirolerisch-schweizerische Folklore-Jazz-Band Jütz verantwortlich. Der in Bern tätige Bassist Philipp Moll, der auch Teil von Jütz ist, zeichnet gemeinsam mit Håkon Holmås verantwortlich für das Sounddesign.

Während der Film einerseits verstört, ist er andererseits doch vergnüglich und eröffnet neue Betrachtungsweisen der uns so vertrauten Bergwelt und ihrer Klänge.

Slamdance Festival: Online bis 25.2.

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