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Michelangelo Frammartinos «Il Buco» führt in die Tiefen der Erde.© Xenix
Kino Rex, Bern

Erinnern im Innern

Der Film «Il buco» kommt ohne Dialoge aus. Man folgt Höhlenforschern in einen Schlund, der weit unter die Erde, in geheimnisvolle Abgründe führt.

Höhlen führen ins unbekannte Innere der Erde hinein, ein geheimnisvoller Umstand, der wohl dazu führte, dass sie in zahlreichen Sagen und Legenden eine Rolle spielen: Schätze werden in den naturgemachten Hohlräumen versteckt, Räuber finden in ihnen Unterschlupf. Der 1968 in Mailand geborene Regisseur Michelangelo Frammartino widmet mit seinem Film «Il buco» (2021) einer Höhle in Süditalien seine volle Aufmerksamkeit. Das Kino Rex zeigt nun dieses fast wortlose Werk, dass irgendwo zwischen Dokumentation und Fiktion anzusiedeln ist. Aufgepasst: Es braucht Sitzleder, ausser man möchte freiwillig meditieren. Frammartino hat sich von einer tatsächlichen Höhlen­expedition, die 1961 stattfand, inspirieren lassen. Eine Truppe von Forschern entdeckte damals eine Höhle, die sie fast 700 Meter hinab in den Schlund führte. Im Film folgt man einer fiktiven Forschertruppe, die von einem alten Hirten beobachtet wird. Viel mehr Handlung gibt es nicht. Das wenige, das gesprochen wird, vernimmt man meist als Raunen aus der Ferne, denn die Kamera nimmt das Geschehen oft aus grosser Distanz auf.

Poetische Momente

«Il buco», was auf Deutsch «Das Loch» bedeutet, ist Leitmotiv des Films. So taucht «das Loch» als Öffnung auf, durch welches die Truppe in ihrem Fahrzeug auf eine trockene Landschaft blickt, oder in Form von Lücken, die eine Betonbrücke strukturieren. Es sind sorgfältig komponierte, fotografische Bilder, die Frammartino organisch ineinander verschränkt. Ungewöhnliche Perspektiven, wie etwa die Kamerafahrt von oben durch ein Dorf, in dem Hühner und Menschen eng beieinander wohnen, oder die eingefangene Neugierde der Dorfkinder gegenüber den Forschern sorgen für poetische Momente. Immer wieder hält die Kamera auf dem verwitterten Gesicht des Hirten inne, dessen Haut der Rinde des Baumes, bei dem er sitzt, ähnelt. Schliesslich begibt man sich mit den Forschenden in die Tiefe. Hier finden sie eine Zeitung, deren Titelseite das Sexsymbol der 60er-Jahre ziert: Sophia Loren. Die Forschenden benutzen es zum Feuermachen. Frammartinos Trip lässt uns über das Zeitliche nachdenken: Was kommt, was geht, was bleibt.

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