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Walter Liniger zog aus, den Blues in den USA zu erforschen. Hier vor der University of South Carolina, wo er ab 1993 unterrichtete.© Reto Camenisch
Stadtgraben, Murten

Einer, der mit Fragen antwortet

Filmemacher und Fotograf Reto Camenisch präsentiert «Heicho – Der Blues des Walter Liniger», einen Film über den Berner Bluesprofessor, der 40 Jahre in den Südstaaten geforscht und gespielt hat. Der Film ist als Premiere am Openairkino Murten zu sehen.

Veranstaltungsdaten

MI 12.08.2020 21.00
DO 13.08.2020 21.00
MI 26.08.2020 20.00

Eine Platte hat den Ausschlag gegeben: Lightnin’ Hopkins' «Autobiography in Blues» ist Walter «Wale» Liniger Anfang der 80er-Jahre im Krompholz in die Hände geraten. Jedes Wort habe er zutiefst nachempfunden, von einem, der selbst nicht mal gelernt hatte zu lesen, aber den Blues sprach wie kein zweiter. So brach der 33-jährige Berner 1983 auf ins Mississippi-Delta, um den Blues wissenschaftlich, aber auch praktisch mit der «Schnuregiige» und der Gitarre an der Seite von James «Son» Thomas zu erkunden.

Wie er auszog, um Antworten zu finden, aber nach seiner Rückkehr in die Schweiz 2019 immer noch einer ist, der Fragen stellt – das ist das Thema des ruhigen, suchenden Dokumentarfilms «Heicho» von Reto Camenisch. Letzterer ist selbst dem Blues verfallen und er kann filmisch damit umgehen, keine abschliessenden Antworten zu finden. Anfang der 90er-Jahre begab er sich an Linigers Seite auf die Spuren des Blues, was in einem Fotobuch namens «Bluesland» mündete.

Bewegtes Bildessay

So ist denn der von Camenisch selbst finanzierte, produzierte und gedrehte Film auch ein Porträt einer 30-jährigen Freundschaft und Verbundenheit. Der Film ist aber auch ein bewegtes Bild­essay über Heimat, einen Begriff, den es nicht in Mehrzahl gibt. Starke Bilder wie Fotos von den Hügeln und Junctions des Emmentals und Ecken der Berner Länggasse wechseln sich ab mit solchen vom braunen Delta, Baumwollfeldern, verlassenen Eisenbahn­trassen und anonymen Städten der zweiten Heimat Linigers, zu der er ebenfalls ein gespaltenes Verhältnis hat.

Heimatsuche ist für ihn ein Bestandteil seiner Autobiografie. Nebst James «Son» Thomas, mit dem schliesslich ein schmerzhafter Bruch passierte, war für Liniger die Freundschaft mit der Bluessängerin Etta Baker elementar. Von ihr, deren Wesen er mit dem seiner Mutter vergleicht, stammt der ihn prägende Satz: «Ich weiss nicht, was ich bin, aber wer ich bin.»

Sound des Bluesprofessors

Dass der Film über den «Bluesprofessor» natürlich auch eine Hommage an den Blues an sich ist, ist naheliegend. Der gewichtige Soundtrack stammt vom Gitarristen Hank Shizzoe und Liniger selbst. Ersterer steuert neben dem ehemaligen Musikjournalisten Bänz Friedli oder Regisseurin Livia Anne Richard eigene Erinnerungen an und Einschätzungen über den Bluesforscher bei. «Heicho – Der Blues des Walter Liniger» wird erstmals zu sehen sein am Openairkino Murten – als einziger Dokumentarfilm neben Hollywoodkrimis, Komödien und Schweizer Filmen wie «Bruno Manser», «Wolkenbruchs Reise», «Platzspitzbaby» oder «Moskau einfach».

Events zu diesem Artikel

Kino

Das perfekte Geheimnis

Ein Abendessen unter Freunden eskaliert, als alle ihr Handy offenlegen sollen.  Coop Open Air Cinema, Murten (F) 12.08.2020, 21.00
Kino

Nightlife

Das erste Date von Milo mit seiner Traumfrau endet in einer Jagd durch das Berliner Nachtleben.  Coop Open Air Cinema, Murten (F) 13.08.2020, 21.00

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