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Von Gheorghe lernt Johnny (l.), Intimität zu leben und Gefühle zu zeigen. © LookNow!
Jetzt im Kino

Eine neue Haut

Aus der Haut fahren, eine ehrliche Haut kennenlernen und sich mit Haut und Haaren verlieben: «God’s Own Country» handelt von einer Männerliebe auf dem Land.

«Ein Schwächling» – dieses neugeborene Schaf kommt laut Johnny nicht durch im rauen nordenglischen Klima von Yorkshire, dem sogenannten Land Gottes. Doch der rumänische Saisonnier Gheorghe stülpt in «God’s Own Country» dem Jungtier liebevoll einen zweiten Lammpelz über, damit es bei einem anderen Mutterschaf Milch trinken kann. Johnny hingegen würde am liebsten aus seiner Haut fahren. Auf ihm lastet die Verantwortung, den Hof, die Tiere, seinen physisch angeschlagenen Vater und die Grossmutter am Leben zu erhalten.

Karge Landschaften

Um das alles ertragen zu können, hat er sich eine dicke Haut zugelegt – patzige Sprüche und stumme Verzweiflung begleiten ihn. Pausen gönnt er sich mit Alkoholexzessen und rauem Sex mit Männern. Mit Gheorghe aber entdeckt er, was es heisst, Gefühle zu zeigen und Intimität zu leben. So findet er auch langsam zu einer Sprache, die Zwischenmenschlichkeit zulässt.

Der Low-Budget-Produktion gelang in England der erfolgreichste Art­house-Kinostart seit Jahren. Der erste Spielfilm des Regisseurs und Drehbuchautors Francis Lee überzeugt mit authentischen Darstellern (Josh O’Connor, Alec Secareanu) und einer unprätentiösen Zuneigung zu den kargen Landschaften und Charakteren, aber auch mit einer starken Metaphorik. Es ist eine Erzählung über emotionale Erweckung, die unter die Haut geht.

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