mitgliederwerden grey iconMitglied werden
Archiv
Bewaffnet wartet Kneubühl im Haus, kurz darauf kommt es zum Schusswechsel. © Insertfilm AG
Jetzt im Kino

Ein Fall für den Film

«Peter K. – Allein gegen den Staat» ist beklemmende psychologische Studie und Action­thriller in einem. Regisseur Laurent Wyss richtet seine Kamera dabei auf den so wehrhaften wie wahnhaften Protagonisten Peter Kneubühl. Nicht ohne Solidarität.

Veranstaltungsdaten

DI 06.12.2022 15.30
DI 06.12.2022 18.00
DI 06.12.2022 20.15
DI 06.12.2022 20.15
DI 06.12.2022 20.15
MI 07.12.2022 18.00
MI 07.12.2022 20.15
MI 07.12.2022 20.15
MI 07.12.2022 20.15
DO 08.12.2022 15.30
DO 08.12.2022 18.00
DO 08.12.2022 20.15
DO 08.12.2022 20.15
FR 09.12.2022 15.30
FR 09.12.2022 18.00
FR 09.12.2022 20.15
FR 09.12.2022 20.15
SA 10.12.2022 18.00
SA 10.12.2022 20.15
SA 10.12.2022 20.15
SO 11.12.2022 18.00
SO 11.12.2022 20.15
SO 11.12.2022 20.15

Zehn Tage lang hielt ein Rentner die Stadt Biel in Atem: Nachdem er die Zwangsversteigerung seines Elternhauses mit Briefen an die Behörden nicht abwehren konnte, bereitete er sich auf den Krieg gegen den Staat vor. Am 8. September 2010, dem gerichtlich verfügten Termin, verschanzte sich Peter Kneubühl im elterlichen Haus.

Auf Gesprächsangebote liess er sich nicht ein, dafür aber auf einen Schusswechsel mit der Polizei, die das Anwesen umstellte. Die Situation geriet ausser Kontrolle, Kneubühl verletzte einen der Ordnungshüter schwer und flüchtete. Die dichten Thujabäume des beschaulichen Wohnquartiers boten ihm Unterschlupf, später verbrachte er mehrere Tage in der Taubenlochschlucht. Der Polizeihund Faro brachte den Flüchtigen schliesslich auf offenem Feld zu Fall.

1057 Polizisten, 150 Nachtsicht­geräte, 40 Maschinenpistolen, ein 
Super-Puma-Hubschrauber mit Wärmekamera und sogar ein Radschützenpanzer kamen im Laufe der beispiellosen Fahndungsaktion zum Einsatz. Der «Blick» titelte «Amok-Rentner», Sympathisanten feierten auf Facebook ihren «Terror-Peter» als Desperado zwischen Kauz und Kult.

Uhrzeit: Endkampf

«Ein Fall für den Film», dachte sich auch der Bieler Regisseur Laurent Wyss, als auch er die Ereignisse in den Medien verfolgte. Zwölf Jahre später kommt «Peter K.» ins Kino, sein zweiter Langspielfilm nach «Manche Hunde müssen sterben», ein Ausflug ins Genre Noir aus dem Jahr 2014.

Wyss hat aus dem Stoff ein Hybrid zwischen psychologischer Studie und reportageartigem Thriller gemacht. Seine Kamera hält er auf einen 67-jährigen Peter Kneubühl gerichtet, der seiner Vereinsamung nur noch mit Verfolgungswahn begegnen kann. Mit der Aussenwelt kommuniziert der einstige Mathematiklehrer seit Jahren nur noch schriftlich, sein Alltag ist bestimmt vom täglichen Gang zum Briefkasten und von gelegentlichen Ausflügen zur öffentlichen Telefonkabine. Auf seiner Schreibmaschine füllt er Papierbögen mit minutiösen Beobachtungen seiner Umgebung. Neben Uhrzeit und Temperatur protokolliert er jede kleinste Abweichung des Erwartbaren ebenso wie seine Angst vor Vernichtung durch den Staat.

Kopfkino und Kammerspiel

Der 97-minütige Film nimmt sich Zeit, das hermetische Interieur seines Protagonisten abzusuchen. Das ist richtig gut und richtig beklemmend. Darsteller Manfred Liechti überzeugt in diesem Kammerspiel und Kopfkino, das wohl eines hätte bleiben können, wäre die reale Polizei nicht in die paranoide Fantasie von Kneubühl eingebrochen. Man nimmt Liechti den Wahnsinn ab. Und erkennt mit Gänsehaut, wie plausibel und realistisch der scheint, wenn man mit dem Protagonisten zitternd in der Wohnung kauert, während sich die Sondereinheiten mit der Kettensäge Zugang verschaffen.

Travis Bickle, Gregor Samsa, Houdini

«Peter K.» zeigt einen Prepper, der seinen persönlichen High Noon mit Hilfe der Polizei maximal filmreif arrangierte. Ein bisschen Travis Bickle, ein bisschen Gregor Samsa, ein bisschen Houdini. Sein Wahn ist eine gute Story, im richtigen Leben aber vor allem tragisch und traurig. Auch das zeigt der Film gegen Ende, als ihm bei der Selbstverteidigung vor Gericht die Kontrolle über seine Sicht der Dinge entgleitet. Doch nur kurz. Kneubühl bleibt als Einziger auf Augenhöhe mit der Wahrheit.

Bis heute verweigert er sich übrigens den Behörden: Eine Verlegung ins Psychiatriegefängnis und jede Therapie lehnt er ab. Mittlerweile lebt er in Verwahrung. Ob ihm der Film wohl gefallen würde? Den Fernseher schalte er nie ein, meinte er unlängst gegenüber einem Journalisten. Das mache passiv. Er aber wolle aktiv bleiben. Und wachsam.

Events zu diesem Artikel

Kino

Peter K. Alleine gegen den Staat

Im Versuch sich der Zwangsversteigerung seines Hauses zu widersetzen wird ein Rentner zum Amok-Täter.  Lido, Biel/Bienn ... 06.12.2022, 15.30
Kino

Peter K. Alleine gegen den Staat

Im Versuch sich der Zwangsversteigerung seines Hauses zu widersetzen wird ein Rentner zum Amok-Täter.  Lido, Biel/Bienn ... 06.12.2022, 18.00
Kino

Peter K. Alleine gegen den Staat

Im Versuch sich der Zwangsversteigerung seines Hauses zu widersetzen wird ein Rentner zum Amok-Täter.  CineMovie, Bern 06.12.2022, 20.15
Kino

Peter K. Alleine gegen den Staat

Im Versuch sich der Zwangsversteigerung seines Hauses zu widersetzen wird ein Rentner zum Amok-Täter.  Lido, Biel/Bienn ... 06.12.2022, 20.15
Kino

Peter K. Alleine gegen den Staat

Im Versuch sich der Zwangsversteigerung seines Hauses zu widersetzen wird ein Rentner zum Amok-Täter.  Lido, Biel/Bienn ... 07.12.2022, 18.00
Kino

Peter K. Alleine gegen den Staat

Im Versuch sich der Zwangsversteigerung seines Hauses zu widersetzen wird ein Rentner zum Amok-Täter.  CineMovie, Bern 07.12.2022, 20.15
Kino

Peter K. Alleine gegen den Staat

Im Versuch sich der Zwangsversteigerung seines Hauses zu widersetzen wird ein Rentner zum Amok-Täter.  Lido, Biel/Bienn ... 07.12.2022, 20.15
Kino

Peter K. Alleine gegen den Staat

Im Versuch sich der Zwangsversteigerung seines Hauses zu widersetzen wird ein Rentner zum Amok-Täter.  Lido, Biel/Bienn ... 08.12.2022, 15.30
Weitere Events

Folgen Sie uns

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden