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«Fad’jal»: Regisseurin Safi Faye geht auf Spurensuche in ihrem Heimatdorf. © ZVG
Kino Rex, Bern

Ein anderer Blick

Das Kino Rex zeigt in der Reihe «Kino aus Westafrika» afrikanisches Filmschaffen nach der Kolonialzeit, darunter «La Noire de …» von Ousmane Sembène.

Veranstaltungsdaten

DI 07.07.2020 18.00
MI 08.07.2020 18.00
MI 15.07.2020 18.00

Die elegante und intelligente Diouana (Mbissine Thérèse Diop) aus Dakar hat sich ihr Leben in Frankreich anders vorgestellt. Von einer reichen Französin wurde sie in ihrer Heimat als Kindermädchen angeworben, das Verhältnis war freundlich. Nach dem Umzug der Familie nach Antibes an der Côte d’Azur aber dreht der Wind: Mehr und mehr wird sie in die Rolle der Dienerin, Köchin und Waschfrau gedrängt und muss sogar hinhalten, als ein Gast im Haus sie küssen will. Unter dem Deckmantel der Entwicklungshilfe wird sie ausgebeutet und zur Schau gestellt. Eingesperrt, ausser zum Einkaufen, weicht das Frankreich ihrer Träume immer mehr dem Bild eines Gefängnisses. Diouana setzte sich mittels Arbeitsverweigerung zur Wehr, doch schliesslich sieht sie nur noch einen furchtbaren Ausweg aus ihrer Situation.

Nouvelle Vague aus Senegal

Das Schwarz-Weiss-Drama «La Noire de…» (1966) von Ousmane Sembène gilt als Meilenstein des afrikanischen Kinos und wurde im Stil der Nouvelle Vague gedreht – so konnte der senegale­sische Filmemacher geschickt die afrikanische Sicht auf den Postkolonialismus einem internationalen Publikum näherbringen. Sembène klagt mit dem nüchternen und fein konstruierten Film den Rassismus an.

«La Noire de …» läuft in der Filmreihe «Die Dekolonisierung des Blicks: Kino aus Westafrika» im Kino Rex nebst 12 weiteren Filmen, unter anderen «Atlantique», «King of Boys», «Quartier Mozart» und «Bamako», die teilweise aus den Unabhängigkeitsbewegungen der 60er- und 70er-Jahre keimten. In den Jahrzehnten der Kolonialherrschaften existierte praktisch kein eigenständiges Filmschaffen in Westafrika – Filme über den Kontinent wurden ausschliesslich von Ausländern gedreht und meistens, wie etwa im Beispiel von René Gardi, von einem romantisierenden, kolonialistischen Blickwinkel aus erzählt.

Ein ganz anderer Blick auf ein Dorf in Senegal wirft «Fad’jal» (1979), ein Dokumentarfilm der Ethnologin und Regisseurin Safi Faye, der ersten Frau, die in Afrika mit «Kaddu Beykat» (1975) einen Spielfilm produzierte. In «Fad’jal» begibt sie sich auf die Spuren ihrer Vorfahren und erzählt in deren Worten die Geschichte ihrer Heimat. Das bahnbrechende Porträt vereint ethnografisches Material, persönliche Beobachtungen des Dorfalltags mit fiktiven historischen Szenen und regt so dazu an, über die afrikanische Geschichte und Geschichtserzählung und die Schnittmenge von Fiktion und Dokumentation nachzudenken.

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