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Trauerrednerin mit künstlerischer Botschaft: Cate Blanchett zitiert das «Dadaistische Manifest».© Julian Rosefeldt und VG Bild-Kunst
Kellerkino, Bern

Durch den Fleischwolf

Eine chamäleonhafte Cate Blanchett glänzt in 13 Rollen im hypnotischen Episodenfilm «Manifesto» des deutschen Filmkünstlers Julian Rosefeldt. Zu sehen im Kellerkino.

«Dada ist immer noch scheisse. Aber von nun an wollen wir in unterschiedlichen Farben scheissen, um den zoologischen Garten der Kunst mit allen Konsulatsflaggen zu zieren» zitiert die australische Schauspielerin Cate Blanchett mit zittriger Stimme als Trauerrednerin das «Dadaistische Manifest 1918» von Tristan Tzara.

In der Kinoversion der Videoinstallation «Manifesto» (2015) des deutschen Film- und Videokünstlers Julian Rosefeldt, brilliert die zweifache Oscargewinnerin Blanchett («Carol») in 13 verschiedenen Rollen und Episoden. Als Punkerin, Börsenmaklerin oder Obdachloser liefert sie unter anderem Auszüge aus Sol LeWitts, André Bretons und Jim Jarmuschs Manifesten von Kunstströmungen – ohne dass der Film ansatzweise trocken oder akademisch wirkt. Das filmische Kunstwerk, das in nur 12 Tagen in Deutschland gedreht wurde, punktet mit viel Humor. Beispielsweise wenn Blanchett eine konservative Mutter verkörpert und beim Tischgebet pathetisch Claes Oldenburgs freigeistiges Pop-Art-Manifest «I am for an Art» zitiert.

Hypnotische Komposition

Die oftmals schwebende Kamera und die penibel authentische Ausstattung erschaffen visuell höchst interessante Kompositionen. Die hypnotische Wirkung des Episodenfilms verstärkt sich durch die eindringlichen Texte und die von Nils Frahm und Ben Lukas Boysen erschaffene bedrohliche Klangwelt. Die Inszenierung erfindet die sich in den Ideen und Konzepten stets widerholenden Schriftstücke neu und dreht sie durch den künstlerischen Fleischwolf.

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