mitgliederwerden grey iconMitglied werden
Weil ein Studium fast unbezahlbar ist, erwägt Ngada, der Vater und Sherpa, einen heiligen Berg zu besteigen.© Vinca Film
Bei Quinnie on Demand

Dilemma am Steilhang

Aus der ungewohnten Perspektive einer Sherpa-Familie erzählt der Dokumentarfilm «The Wall of Shadows» von den Zweifeln und Sorgen bei der Erstbesteigung eines heiligen Bergs. Der Film ist bei Quinnie on Demand zu sehen.

Zwei Brüder wollten den dritten, der beliebter, grösser und mächtiger war als sie, aus Eifersucht ermorden. Ein Mönch erfuhr dies und verwandelte die drei, um die Tragödie zu verhindern, in Berge. Doch auch als Berg blieb Kumbhakarna der mächtigste der drei. Nach dieser Erzählung sehen die Nepalesinnen und Nepalesen den Berg, der zwar weniger hoch, aber dennoch schwieriger zu besteigen ist als der Mount Everest, noch heute als heilig an. Es heisst, das Gott dort lebe.

Schwere Lasten

In der rauen Berglandschaft des Himalayas leben Jomdoe, Ngada und ihr Sohn Dawa Tenzin Sherpa. Ngada arbeitet seit über einem Jahrzehnt als Hochgebirgsträger, bestieg neunmal den Mount Everest und viele andere Giganten des Himalayas. Seine Frau Jomdoe arbeitet als Gepäckträgerin und musste, um Geld zu verdienen, selbst während ihrer Schwangerschaft beladen mit schweren Lasten unzählige Höhenmeter erklimmen. Der 16-jährige Dawa Tenzin möchte gerne etwas Richtiges werden, wie er sagt. Doch die Kosten für das Medizinstudium sind um ein Vielfaches höher, als es sich die Familie leisten könnte.

Als der Vater von einer Agentur in Kathmandu ein gutes Angebot für eine Expedition auf den heiligen Kumbhakarna erhält, gerät die Familie in ein Dilemma: «Wie kannst du nur, der Berg ist heilig», redet ihm seine Frau ins Gewissen. «Wenn du es versuchst, wirst du es bereuen, so viel ist sicher. Das Haus Gottes zu besteigen, steht ausser Frage.» Doch Sherpas haben oft keine Wahl.

Risiko und Riten

Der Dokumentarfilm «The Wall of Shadows», der auch an den 56. Solothurner Filmtagen gezeigt wurde, schildert aus der Perspektive der Sherpa-Familie die Geschichte der waghalsigen Expedition zweier Rus­sen und eines Polen auf den Kumbhakarna. Die polnische Regisseurin Eliza Kubarska fokussiert darin auf die Ehrfurcht und Behutsamkeit der Sherpas, auf deren Umgang mit der Natur und deren Glauben und Riten. Auch erfährt man, dass Sherpas von den Agenturen in der Hauptstadt unter Druck gesetzt werden. Eine schlechte Bewertung können sie sich nicht leisten, und um mit dem Wunschtempo der Bergsteiger Schritt zu halten, gehen sie grosse Risiken ein: Die Sherpas sind etwa oftmals viel schlechter ausgerüstet als die Bergsteiger aus Europa.

Mit eindrücklichen Bildern und spärlich eingesetzter Musik schuf Kubarska mit «The Wall of Shadows» einen Film, der die Hochgebirgsträger und nicht etwa die waghalsigen Kletterer an der steilen, eisigen Felswand in den Fokus rückt, und schafft so eine völlig neue, erfrischende und beeindruckende Perspektive.

Bei Quinnie on Demand
www.quinnie.ch

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden