mitgliederwerden grey iconMitglied werden
Archiv
André und Meredith fehlen unverhofft die Worte. © Dschoint Ventschr
Jetzt im Kino

Die Leidende und der Narzisst

Im Ehedrama «Vakuum» begibt sich die Berner Regisseurin Christine Repond nach «Silberwald» erneut in menschliche Abgründe.

Sie schläft noch, als er mit einer Tiermaske über dem Gesicht zurück ins Bett krabbelt. Das irritiert, ist aber gleich vergessen, so vertraut und warm wirken die Gesten des älteren Ehepaars. Warum die Maske ein Omen ist, wird bald klar. Er verkehrt in Bordellen, was sie herausfindet, als sie nach dem Blutspenden erfährt, dass sie HIV-infiziert ist.

 

Implodiert

Gestern plante Meredith (Barbara Auer) noch das Fest zum 35. Hochzeitstag, heute fehlen ihr die Worte für das Leid, das André (Robert Hunger-Bühler) ihr zufügt. «Wir hatten eine Sprache. Jetzt weiss ich es nicht mehr.» Die Beziehung implodiert, ohne dass Freunde und Familie die ganze Wahrheit erfahren. In der Gesellschaft, in der sich das Architektenpaar bewegt, zählt Inszenieren und Repräsentieren viel.

Es sind bedrückende Bilder in einer herbstlich-tristen Landschaft, die Aline Laszlo durch die Handkamera in meist statischen Büsten-Einstellungen festhält. «Vakuum» hat wenig humane Augenblicke. Dass die Anfangsszene dazu zählt, macht den anschliessenden Strudel aus Schock, Wut, Scham, Angst und Trauer noch schlimmer.

Am schwierigsten zu ertragen ist die polarisierte Darstellung von André als Triebsklave und Narzisst, während Meredith alles richtiggemacht hat – ausser, ihre Karriere für ihn aufzugeben. «Warum ich?», fragt sie den Arzt, der keine Antwort weiss. Regisseurin Christine Repond, das zeigte sie bereits im Nazi-Jugenddrama «Silberwald» (2011), beleuchtet schonungslos menschliche Abgründe.

Events zu diesem Artikel

Keine Veranstaltungen

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden