mitgliederwerden grey iconMitglied werden
Archiv
Frauenkörper im Melonenbad:«Dead Sea» ist ein Kunstprojekt von Sigalit Landau.© Börres Weiffenbach / Indi Film

Die Künstlerin ist anwesend

«Body of Truth», koproduziert vom Berner DokLab, ist ein kraftvoller Dokfilm über vier furchtlose Künstlerinnen. Zu sehen an der Onlineausgabe des Be-Movie-Festivals. «Der Körper lügt nie», sagt die serbische Künstlerin Marina Abramović, «ich vertraue meinem Körper mehr als meinem Verstand», sagt die israelische Künstlerin Sigalit Landau. Der Dokumentarfilm «Body of Truth» dreht sich um vier radikale Künstlerinnen, die sich in ihren Arbeiten mit ihrem eigenen Körper oder dem weiblichen Körper an sich auseinandersetzen. Auch die Iranerin Shirin Neshat weiss von der Sprengkraft des Frauenkörpers, für sie ist er sinnlich und politisch zugleich. Sie ist fasziniert davon, wie Frauen in ihrer Heimat immer wieder als Schlachtfeld der Ideologie benutzt würden, etwa beim Thema Verschleierung. In der Videoinstallation «Rapture» lässt sie in zwei synchron auf gegenüberliegenden Wänden projizierten Videos Frauen und Männer einander gegenübertreten und gibt ohne Worte einen Kommentar zur Position der Frau in der islamischen Gesellschaft ab.

Für die deutsche Fotokünstlerin Katharina Sieverding stehen politische Konflikte im Zentrum ihrer Arbeiten, denen sie oftmals mit Selbstporträts ein Gesicht gibt, um so «als Künstlerin anwesend zu sein».

«Erinnerungen im Körper»

Sigalit Landau befasst sich mit den «Erinnerungen im Körper». Sie ist eine Nachkommin von Holocaust-Überlebenden und lebt in einem Land, in dem der Krieg allgegenwärtig ist. Ihre poetische Auseinandersetzung mit dieser unterschwelligen Bedrohung zeigt sich etwa in der Videoarbeit «Dead Sea», in der sie sich nackt auf 500 Wassermelonen, die zu einem Spiralfloss verbunden sind, auf dem Toten Meer treiben lässt. Es genügt, dass einige der Melonen aufgeschnitten sind und das rote Fruchtfleisch wie eine klaffende Wunde wirkt, um ein Gefühl der Verletzlichkeit auszulösen. Das Tote Meer wird auch zur stummen Mitarbeiterin ihrer Skulpturen: Den in ihrer Heimat omnipräsenten Stacheldraht taucht Sigalit ins Meerwasser ein und lässt ihn so zu wunderschönen Skulpturen aus Salzkristallen werden.

«Body of Truth» der deutschen Regisseurin Evelyn Schels wurde vom Berner DokLab koproduziert und ist nun am Be-Movie-Festival zu sehen, das dieses Jahr online stattfindet. Schwerpunkt des Festivals ist der animierte Film. Nebst diversen Kurzfilmen, darunter auch der mit einem Berner Filmpreis ausgezeichnete «Warum Schnecken keine Beine haben», wird auch der Animationsfilm «Les Hirondelles de Kaboul» gezeigt. Die Berner Animateurin Martine Ulmer hat am Film mitgewirkt und erzählt in einem Videobeitrag über ihre Arbeit an der internationalen Produktion.

Events zu diesem Artikel

Keine Veranstaltungen

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden