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Jeanne Moreau in Louis Malles Klassiker «Ascenseur pour l'échafaud» (1958).© Gaumont
Cinématte, Bern

«Der Kinobesuch wird zum Luxus»

Zur heissesten Jahreszeit veranstaltet die Cinématte jährlich das «Sommerkino». Der Leiter des Kinos an der Aare Bernhard Schürch über das Programm und die sich wandelnden Sehgewohnheiten des Publikums.

Bernhard Schürch, welcher Film, der dieses Jahr im Rahmen des Sommerkinos gezeigt wird, liegt Ihnen besonders am Herzen?
Ich freue mich, «Ascenseur pour l’échafaud» wieder einmal zu zeigen. Für mich ist der Film ein Meilenstein. Er feierte Ende der 50er-Jahre Premiere und behandelt Themen, die auch heute noch aktuell sind. Die französische Schauspielerin Jeanne Moreau in Kombination mit dem Soundtrack von
Miles Davis, das ist für mich einzigartig.

In der Cinématte gibt es selten Livemusik zu hören, heuer eröffnet das «Sommerkino» erstmals mit einem Konzert. Wie kommt es dazu?
Normalerweise veranstalten wir nur Konzerte in cineastischem Zusammenhang, wie etwa Stummfilmvertonungen. Ich stehe aber schon länger in Kontakt mit der Band und die Feet Peals passen perfekt für die Eröffnung mit den französischen Chansons und dem Sommer-Feeling, das sie versprühen.

Was ist für Sie ein typischer Cinématte-Film?
Das ist eine Frage, mit der wir uns in der Programmgruppe oft beschäftigen. Die Antwort ist nicht mehr dieselbe wie vor 15 Jahren. Neben dem Arthaus-Bereich soll das Cinématte-Programm Überraschungen bieten. Wir legen uns nicht auf einen Stil fest, unser Programm ist breit und offen für neue Strömungen. Seit Jahren zeigen wir zudem Kurzfilme auf Grossleinwand, was es anderswo in Bern nur selten gibt. Ein weiterer Schwerpunkt ist schweizerisches und europäisches Kino sowie italienische und nordische Filme. Auch im Dokumentarfilmbereich haben wir zugelegt.

Haben sich die Sehgewohnheit des Publikums geändert?
Im Gegensatz zu früher steht der Gang ins Kino heute nicht mehr auf dem typischen Ausgehprogramm, die Sehgewohnheiten sind kurzlebiger, hastiger geworden. Das spüren wir in der Cinématte zum Glück weniger als die Blockbuster-Premierenkinos. Zu uns kommt man, wenn man sich Zeit nehmen will, das ist auch unser Credo.

Wie, glauben Sie, wird sich das Pub­likumsverhalten in Zukunft entwickeln?
Ich glaube, es wird in Zukunft zu einem Luxus, sich zwei Stunden zu gönnen, um einen Film im Kino anzusehen. Aber sich die Zeit zu nehmen, in Begleitung ins Kino zu gehen und danach über den Film zu diskutieren, ist ein ganz besonderes Erlebnis – und das wird es immer sein.

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