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Der Begriff von Gut und Böse wird am Seminar für Kriegsveteranen aufgeweicht.© Picture Tree
Cinématte, Bern

Den Krieg aufräumen

Das Ende des Krieges ist nie das Ende: Der Spielfilm «Men Don’t Cry» zeigt ein Seminar für exjugoslawische Kriegs­veteranen, der Kurzfilm «Talking Soil» dokumentiert Minen­sucher in Bosnien-Herzegowina.

Veranstaltungsdaten

FR 19.04.2019 20.30
SA 20.04.2019 18.30
SO 21.04.2019 18.30
MO 29.04.2019 20.45

Jugoslawien löste sich in den 90er-Jahren auf in ethnisch und religiös getrennte Nationen, die bis heute über die Rollenverteilung von Täter und Opfer feilschen. Doch so einfach ist Krieg nie. Diese Erkenntnis macht die Veranstaltungsreihe «Kroatien, Bosnien und Herzegowina: Wie umgehen mit der schwierigen Vergangenheit?» in der Cinématte deutlich.

Der erste Spielfilm des bosnischen Regisseurs Alen Drljevi´c, «Men Don’t cry», führt mehr als deutlich vor Augen, dass weder Nation, Ethnie noch Ideologie ausschlaggebend für die Traumata der Kriegsveteranen sind, die sich in einem abgelegenen Hotel zu einem Friedensseminar treffen. Es sind Erinnerungen an blaue Augen kurz vor der Exekution, den Verrat der eigenen Mutter, den Anblick des Spiegelbildes und die Dunkelheit.

Gesellschaft in der Nebensaison

So neben der Saison wie dieses Seminar stattfindet, so ausserhalb der Gesellschaft stehen nämlich diese kettenrauchenden Kriegsversehrten, denen ihre versandeten Ideologien und die Desillusionen ins Gesicht gezeichnet sind. Ständig flammen Konflikte auf – sei es zwischen Alt und Jung, Opfer und Täter, Muslim und Christ, Links und Rechts – und weichen den Begriff von Gut und Böse völlig auf. Beim Nachspielen von traumatischen Erlebnissen im Seminar kommt erstmals alles über die Jahre Verschwiegene ans Licht. Der kroatische Kommandat leidet an der Erinnerung an seinen harschen Befehl, der einen Jungen in den Suizid trieb – der Serbe daran, dass er ein Massaker ausüben musste. Was dies in der Gruppenkonstellation für Wellen wirft, das bringt Drljevi´c absolut überzeugend, schlicht, mit einem hervorragenden Cast und ohne Schuldzuweisungen auf die Leinwand.

Wenn der Boden sprechen könnte

«Talking Soil» kreist dasselbe Thema in einer bildintensiven Dokumentation ein. Der Kurzfilm des Berner Filmemachers Jan Baumgartner begleitet Kriegsveteranen in die Hochebenen des immer noch stark verminten Bosniens. Alte Kriegskonflikte schwelen hier wie noch warme Asche und die fehlende gesellschaftliche Anerkennung von Veteranen, die den Krieg aufräumen, tun ihr Weiteres.

Events zu diesem Artikel

Kino

Zvizdan

Erzählt wird die Geschichte von drei Paaren in drei Dekaden, deren Liebe eigentlich verboten ist.  Cinématte, Bern 20.04.2019, 18.30
Kino

Zvizdan

Erzählt wird die Geschichte von drei Paaren in drei Dekaden, deren Liebe eigentlich verboten ist.  Cinématte, Bern 29.04.2019, 20.45

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