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Gitter im Ring, im Kopf, im Herz, im Leben: Yulia in «Blindfold». © Contemporary Ukrainian Cinema
FIFF, Fribourg

Das Geschäft mit dem Krieg

Umkämpfte Gebiete – das internationale Filmfestival Fribourg (FIFF) zeigt Filmschaffen zu Krieg, Grenzerfahrungen, Wiederanfang und weiblicher Körper: aus der Ukraine, Bosnien-Herzegowina, Palästina und Rwanda. Und es widmet sich dem Genre Musikfilm.

Wenn man doch nur ein neues Leben überstreifen könnte wie ein Ballkleid, oder zumindest einen warmen Pullover … doch der seidige Umhang, den Yulia vor den Mixed-Martial-Arts-
Kämpfen trägt – eine Mischung zwischen Superwoman­-Powersuit und Underdog-Kluft –, bleibt an der ukrainischen Boxerin haften. Ihr Verlobter Denys, auch er Boxer, ist in den Krieg gegangen und nicht mehr zurückgekehrt, seine Leiche fehlt. Doch von den Plakatwänden blickt der einst aufstrebende Kampfstar sie fast schon wie eine Ikone an. Und die Schwiegermutter bringt Milch, als käme der Sohn jeden Moment zurück. Yulia ist mit nur 25 Jahren zur wartenden Witwe geworden. Erst als Max auftaucht in seinem guten Anzug, mit dem neuen Auto und dem schon auf Familienleben getrimmten Apartment, scheint Aufbruch und Neuanfang möglich.

Krieg im Kopf

Doch die Vergangenheit bleibt an Yulia kleben wie ein nasses Kleid. Denn im ukrainischen Spielfilm «Blindfold», der im Langspielwettbewerb des FIFF neben Filmen aus Japan, Kasachstan, Argentinien und etwa der Elfenbeinküste gezeigt wird, ist der Krieg alles andere als vorbei. Weder in den Köpfen der Betroffenen und der Front-Zurückkehrer, noch beim Busfahren im Alltag. Und noch viel schlimmer: mit dem Kriegsleid werden Geschäfte gemacht. Yulias Wille zum Neuanfang mit Max beginnt zu bröckeln, als die Schwiegermutter per SMS eine Anfrage um Geld erhält, um dem scheinbar wieder aufgetauchten Sohn eine lebensrettende Operation zu ermöglichen.

Diaspora, Mexiko und Genrefilm

Umkämpfte Gebiete während und nach dem Krieg sind in mehreren 
Filmen des FIFF präsent: So etwa im Spielfilm «Quo vadis, Aida?», der den Völkermord von Srebrenica aus der Perspektive einer Übersetzerin für die UNO aufrollt. Eine andere Filmreihe hat die libanesisch-schweizerische Rapperin La Gale aus vier für sie 
prägenden Filmen zur palästinensischen Diaspora zusammengestellt. Auch Werke aus Mexiko, Publikumslieblinge und Filme aus dem Genre 
Musik finden am FIFF Beachtung.
Die Sektion «neues Territorium» schliesslich widmet sich dem Film in Rwanda und zeigt dabei das cineastische Schaffen von 1950 bis heute.

Rwandisches Filmschaffen

Erfreulich viele Regisseurinnen befinden sich darunter, sodass auch weibliche Emanzipation ins Bild rückt: In «Breaking Ground» von Inès Girihirwe etwa entzieht sich eine junge Mutter der häuslichen Gewalt und findet Trost in den Worten einer dichtenden Nachbarin: «Freedom ist our key / You’re a queen / It is time that you found out / They had you figured out / Pretended you’re a freak / Tried to make you sick of yourself / But still you rised / don’t apologize».

Diverse Kinos, Fribourg

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für eine Vorstellung Ihrer Wahl: www.fiff.ch.

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