mitgliederwerden grey iconMitglied werden
Archiv
Semret und ihre Tochter Joe müssen ihre Beziehung neu verhandeln. © Cineworx
Jetzt im Kino

Aufwachen vom Albtraum

Im Schweizer Alltag funktioniert die Eritreerin Semret, in der Nacht schreckt sie schweissgebadet auf. Im Debütfilm der Schweizer Regisseurin Caterina Mona wird die titelgebende Protagonistin von ihrer Vergangenheit eingeholt.

Der Film «Semret» setzt im getakteten Arbeitsleben von Semret im Spital ein. Vor mehreren Jahren aus Eritrea in die Schweiz geflüchtet, möchte sie sich hier zur Hebamme ausbilden lassen. Der Eindruck des geregelten Lebens erhält bald erste Risse, als Semret nach einem Albtraum zum Schlafen ins Bett ihrer 14-jährigen Tochter Joe schlüpft. Es dauert eine Weile, doch dann ist man mittendrin in der emotionalen Reise, die der Film der Schweizer Regisseurin Caterina Mona zeigt.

Die Hauptdarsteller*innen ihres Debütfilms sind wie ihre Figuren in Eritrea geboren. Für ihre Rollen lernten einige Deutsch, andere mussten ihre Tigrinya-Kenntnisse auffrischen. Es ist denn auch ein gesungenes Lied auf Tigrinya, das zu Beginn erklingt.

Wie weiterleben?

Der dezente Soundtrack schafft gemeinsam mit der reduzierten Kameraführung zunächst eine Distanz zur Geschichte. Während sich die Figuren durch die Wohnung oder durch Spitalzimmer bewegen, bleibt der Bildausschnitt der gleiche. Wenn die Musik dann aber einsetzt, wie etwa beim Date von Semret und Yemane, packt sie einen umso mehr. Der starre Kamerablick auf die anfänglich glückliche, dann immer verkrampftere Semret ist kaum auszuhalten. Man ist erleichtert, als sie die Situation abrupt beendet: «Du und dein Neffe, ihr zerstört unser Leben!», bricht es aus ihr heraus. «Welches Leben denn?» fragt Yemane und bringt den Film damit auf den Punkt: Ist es ein Leben, wenn sich Semret ihren Verletzungen nicht stellen will und versucht, ihre Tochter und sich selbst durch Abschottung zu schützen?

Aber auch Joe beginnt, Fragen zu ihrer Herkunft zu stellen und ihre Mutter mit pubertären Ausbruchsversuchen herauszufordern. Semret und Joe müssen ihre Beziehung und ihre gemeinsame Geschichte angehen. Denn ein Trauma kann über Generationen hinweg weitergegeben werden. In «Semret» machen Tochter und Mutter den ersten Schritt, diesen Bann zu durchbrechen.

Events zu diesem Artikel

Keine Veranstaltungen

Folgen Sie uns

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden