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Wie klingt diese Alphütte? Julian Sartorius hört genau hin.© Look Now
Kino Rex und Kellerkino, Bern

Alltagssinfonien

Welche Kompositionen schreibt der Alltag? «Melody of Noise» von Gitta Gsell schärft unser Gehör für Klänge, die uns täglich umgeben.

Zugepfropft mit Kopfhörern, zielgerichtet von A nach B: «Ohren zu und durch» lautet die Devise, für die, die sich morgens durch die Massen im Bahnhof schieben. «Der Unterschied zwischen Lärm und Musik ist nur, ob man hinhören will oder nicht», sagt Bruno Spoerri. Der 80-Jährige ist ein «Bruitist 2.0» und einer der Schweizer Klangkünstler, die die Zürcher Filmemacherin Gitta Gsell in «Melody of Noise» porträtiert.

Futuristischer Soundtrack

Spoerri sampelt das Quietschen eines Gartentors und modelliert die Tonspur zu «Computerjazz». Andere belassen die natürliche Resonanz: Der Berner Schlagzeuger Julian Sartorius tastet seine Umgebung mit den Stöcken ab, strukturiert den bemoosten Alpboden zu Beats. Das Drummer-Duo Bubble Beatz trifft man auf dem Schrottplatz an, wo sie aus dieser «Klanggrube» haushohe Schlagzeuggerüste bauen. Ein Brocki-Bohrer, ein Warnschild und eine E-Gitarre? Er gebe ihnen «ein zweites Leben», sagt Stefan Heuss, wenn er sie zu klingenden Kuriositäten kombiniert.

Gitta Gsell hat nach den Tanzrhythmen von «Bödälä – Dance to the Rhythm» (2010) mit «Melody of Noise» einen zweiten Hördokumentarfilm kreiert. Die filmische «Audiolupe» erreicht Gsell, indem sie einzelne Gegenstände kabellos mikrofoniert und diese Tonspuren zu einem futuristischen Soundtrack verwebt. Verlässt man den Kinosaal, fügen die geschärften Ohren ein vorbeischleifendes Tram plötzlich mit dem gurgelnden Brunnen zusammen – zu einer Alltagssinfonie.

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