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Was will der Mann von diesen ahnungslosen Jugendlichen? In «Empreintes» entfaltet sich in 16 Minuten ein grosses Drama.© ZVG
Diverse Kinos, Bern

Affären und Abzweigungen

Das Be-Movie-Festival blickt auf ein aufregendes Jahr für den Berner Film zurück. Der fein strukturierte Kurzfilm «Empreintes» von Jasmin Gordon sticht heraus.

Überraschungserfolg für «Tscharni­blues II» in den Kinos, «African Mirror» im Programm der Berlinale, rege Diskussionen über «Sohn meines Vaters» in den Medien: Es war ein gutes Jahr für den Berner Film. Am Be-Movie-Festival sind diese drei Filme – die ersten zwei wurden mit dem Berner Filmpreis ausgezeichnet – sowie viele weitere lokale Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme zu sehen.

In «Empreintes» von Jasmin Gordon entfaltet sich in 16 Minuten ein Drama, das sich in alle Richtungen entwickeln könnte. Bereits in der ersten Einstellung, in der man den Protagonisten in einer Nahaufnahme im Auto sitzen sieht, möchte man mehr über ihn wissen. Ist er auf der Flucht, selbstmordgefährdet, oder einfach nur einsam? Der Schauspieler Martin Swabey lässt mit seiner grossartigen Interpretation alles offen. Bereits nach zwei Minuten nimmt er eine ungeplante Abzweigung auf der Autobahn und die Geschichte eine unvorhersehbare Wendung. Als er auf drei Bier trinkende, kiffende Jugendliche trifft, wittert er seine Chance auf einen Ausweg. Der Kurzfilm, den man gerne ausgedehnt in Langspiellänge sehen möchte, wurde auch mit dem Berner Filmpreis ausgezeichnet.

Das Business mit dem Fremdgehen

Viel weniger in der Schwebe lässt der Dokumentarfilm «Vom Lieben und Lügen» von Annina Furrer. Die Regisseurin befasst sich darin mit einem sehr aktuellen Thema: der Monogamie, beziehungsweise unserer lieben Mühe damit. Wieso gehen Männer und Frauen fremd? Drei anonymisierte «Seitenspringer» und «Seitenspringerinnen» geben ehrlich Auskunft über ihre Motivation und kommen alle zur Erkenntnis, dass es ihnen beim Betrügen nicht nur um den Sex geht. Ein Paar schwört auf das polyamouröse Beziehungsmodell und eine Therapeutin hat sich speziell auf die Dreiecksbeziehung, die sich aus Affären ergibt, spezialisiert. Am erstaunlichsten in diesem Film sind jedoch die Menschen, die dank dem Fremdgehen ein florierendes Businessmodel für sich gefunden haben: Ein Mann vermietet Zimmer für Seitensprünge (die meisten Buchungen würden am Montagmorgen gemacht, sagt er) und ein Privatdetektiv spioniert fremdgehende Ehefrauen- und -männer mit Tracking-App und Paparazzi-Kamera aus.

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