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In «Triptychon» wird ein heutiger Blick auf die Stimmung der 20er-Jahre geworfen. © Cyril Nusko
Tojo Theater Reitschule, Bern

Zukunftsangst im Nacken

Ein theatral-musikalisches Formexperiment zur Tojo-Eröffnung: Faust Gottes aus Bern und Fetter Vetter & Oma Hommage aus Luzern inszenieren mit «Triptychon» die Präkollaps-Stimmung der güldenen 20er-Jahre. Eine Conférencieuse muss durch den Abend leiten, der ästhetische, dystopische und deliriöse drei Stunden und Stücke dauern soll und an dem 80 Leute auf und hinter der Bühne involviert sind. «Triptychon» ist das neue Stück der Berner Theatergruppe Faust Gottes, die sich mit Fetter Vetter & Oma Hommage aus Luzern zusammengetan hat, um diese riesige, dekadente Theaterkiste zu stemmen.

«Mit Schämpis in den Untergang»

Der erste Teil verschreibt sich einem Eskapismus in die abstrakte Farb- und Formenwelt von Wassily Kandinskys Bühnenkomposition «Der gelbe Klang». Das Stück kommt dem utopischen Versuch gleich, theatral ein Bild, eine Stimmung zu schaffen, wozu Dirigent Moritz Achermann mit zwei Chören und einem Orchester beiträgt. Damiàn Dlaboha inszeniert im zweiten Teil «R.U.R.» von Karel Čapek, eine Apokalypse von 1920, in der das Wort Roboter kreiert wurde. Das «Warnstück», wie es Dramaturg Béla Rothenbühler nennt, der die Textfassung geschrieben hat, ist eine Dystopie über Maschinen, die die Menschheit bekämpfen und menschenähnliche Züge bekommen. Im dritten Teil betäubt sich, wer kann, mittels Konsum im Akkord – es soll gefeiert werden mit dem populärsten Genre der «roaring twenties», einer Revue. Dekadent und ausgelassen zwar, aber mit einem ziemlich eisigen Hauch von Zukunftsangst im Nacken – oder wie es Barbara Boss, Dramaturgin und Gründungsmitglied von Faust Gottes, ausdrückt: «Mit Schämpis in den Untergang». Der heutige Blick auf die Stimmung von damals – darum geht es dem Kollektiv. Und sie gehen über diese Analogie hinaus, indem sie sich fragen, wie unsere 20er-Jahre enden werden.

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