mitgliederwerden grey iconMitglied werden
Archiv
Wer nicht komplett der Norm enspreche, finde sich in «Romeo und Julia» wieder.© Ana Hofman
Stadttheater Biel und Solothurn

Zermalmende Zahnräder

Er spielt die Hauptrolle in «Romeo und Julia» am Theater Orchester Biel Solothurn und ist auch im Kino präsent: Dimitri Stapfer über seinen Werdegang und warum er als Kind «ein dickes Leder» brauchte.

Veranstaltungsdaten

MI 03.06.2020 19.30

Dort hinten habe er die Lehre als Buchhändler gemacht, sagt Dimitri Stapfer und deutet in Richtung Solothurner Altstadt: «Um mit Text, dem Urkorn des Theaters, zu arbeiten.» Der bodenständige Oltner Dialekt, ein breites Grinsen und ein bubenhafter Glanz in den Augen machen ihn auf Anhieb sympathisch.

«Kinder können hart sein»

Seine Mutter bemerkte das Feuer, das eine Vorstellung des Zirkus Chnopf in ihrem Sohn entfachte, und ermutigte ihn dazu, beim Casting vorzusprechen. «Das waren mitunter die glücklichsten zwei Jahre meines Lebens», erinnert sich Stapfer an die Zeit auf Zirkustournee. «Obwohl ich dort auch Schulunterricht hatte, meine Kleider selbst waschen musste und in einem mit Holz geheizten Wagen schlief, empfand ich das mit 13, 14 Jahren als pure Freiheit.» Das Zurückfinden ins Schulsystem, in die alten Strukturen, sei nicht ganz einfach gewesen, etwa, weil er damals Rastas trug: «Kinder können ganz schön hart sein. Da brauchte ich ein dickes Leder», so Stapfer.

Shakespeare bleibt für Stapfer aktuell

Als 17-Jähriger zog er mit seiner Familie nach Solothurn, wo sich ihm eine neue Welt eröffnete: «Hier gibt es ein Theater und die Literaturtage, das inspirierte mich.» Nach der Lehre studierte er Schauspiel in Zürich, wo er bis heute wohnt. Er ist sowohl auf der Bühne als auch auf der Leinwand präsent, zuletzt in Jeshua Dreyfus’ «Sohn meines Vaters». Nun verkörpert er unter der Regie von Veit Schubert den Protagonisten in «Romeo und Julia» am Theater Orchester Biel Solothurn. Für den 31-Jährigen ist Shakespeares Text auch heute noch aktuell: «Verlieben sich zwei aus Palästina und Israel, wird ihre Liebe von den Zahnrädern des Systems zermalmt.» Wer nicht komplett der gesellschaftlichen Norm entspreche, fände sich darin wieder.

Events zu diesem Artikel

Keine Veranstaltungen

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden