mitgliederwerden grey iconMitglied werden
Archiv
Auch während der Krise findet Burkhalter einen Weg, weiter Theater zu machen.© ZVG

«Wir proben via Skype»

Für den Sommer 2020 musste Simon Burkhalter, der künstlerische Leiter der Freilichtspiele Moosegg, ganz besonders kreativ werden. Im Interview erzählt er, wie er und sein Ensemble innerhalb von drei Monaten ein neues Stück auf die Bühne bringen.

Wie schnell war Ihnen klar, dass die Freilichtspiele Moosegg diesen Sommer nicht wie gewohnt statt­finden können?
Simon Burkhalter: Ich hatte am Abend vor dem 16. März noch eine Theatervorstellung, und ich weiss noch, wie ich damals registrierte, wie wenig Leute im Publikum sassen. Mir wurde klar, dass viele Menschen auf einmal Angst hatten, ins Theater zu kommen. Nachdem dann die «Ausserordentliche Lage» ausgerufen wurde, warteten wir noch einige Wochen zu, bis wir schliesslich Anfang April entschieden, unsere beiden diesjährigen Produktionen auf nächstes Jahr zu verschieben.

Statt der Comedy-Operette «Frau Luna» und dem Volksstück «Katharina Knie» bringen Sie nun im Juli Woody Allens «Eine Mitsommernachts-Sexkomödie» auf die Bühne. Woher nahmen Sie diese Idee?
Als wir beschlossen, die beiden gros­sen Produktionen zu verschieben, merkte ich, dass mir etwas fehlen würde, wenn wir jetzt gar nichts machen. Gleichzeitig wollte ich auch etwas für unser Ensemble tun, gerade die Profis im Team, denen jetzt auch sonst viel Arbeit fehlt. Innerhalb von zwei Tagen sichtete ich bestimmt 150 verschiedene Theaterstücke, bis ich eines fand, wo nicht mehr als sechs Personen mitspielen. Die Wahl fiel auf die Bühnen­adaption der «Mitsommenachts­-Sex­komödie» von Woody Allen, weil ich fand, dass die Geschichte sehr erheiternd ist und einerseits unser etwas älteres Publikum vielleicht noch Allens Film aus den frühen 80er-Jahren kennt, andererseits das jüngere Publikum ebenfalls angesprochen wird. Für die Freilichtspiele Moosegg habe ich das Stück jetzt noch auf Berndeutsch übersetzt, damit es dann auch wirklich passt.

Zwischen der Wahl des Stücks und der Premiere Anfang Juli liegen nun knapp drei Monate. Wie schaffen Sie das?
Wir proben via Skype! Das ist wirklich ein Experiment, aber weil das aktuelle Ensemble aus Profis besteht, funktionieren diese virtuellen Proben recht gut. Wir verbringen zum Beispiel viel Zeit damit, über die einzelnen Charaktere zu diskutieren. Wenn alles klappt, werden wir Ende Mai bereits im fertigen Bühnenbild vor Ort proben können und haben dann noch vier Wochen Zeit bis zur Premiere. Normalerweise probt man im Theater sehr viel später mit dem Bühnenbild, daher ist dies ein grosser Vorteil für uns.

Wie muss man sich die Freilichtspiele mit Corona-Massnahmen denn vorstellen?
Für unser Publikum gilt dieses Jahr, dass wir pro Abend nur 120 Personen in die Vorstellung lassen können, und diese können dann mit dem entsprechenden Abstand zwischen den Stühlen das Stück geniessen. Selbstverständlich dürfen Paare oder Familien aber beieinander sitzen.

Sie haben nun einen Weg gefunden, wie Sie auch während der Corona- Pandemie Theater machen können. Wäre eine virtuelle Vorstellung nicht auch möglich gewesen?
Ich finde, der Zauber vom Theater ist, dass es live ist. Das geht mir auch mit der Musik so: Persönlich finde ich Richard Wagner ab CD furchtbar, aber wenn ein Orchester seine Komposition spielt und ich diese Schallwellen körperlich spüre, dann ist das toll. Aber ich konsumiere im Moment auch selber viel Kultur eher virtuell, ich streame zum Beispiel ganze Operninszenierungen, die ich live verpasst habe. Was ich merke, ist, dass man bei dieser Art von Konsum schneller übersättigt ist und ein Stück weit auch vergisst, wie viel Arbeit hinter einem Theaterstück oder einer Oper steckt. Unterm Strich bin ich sehr froh, dass wir das Wagnis eingegangen sind und noch eine Produktion für diesen Sommer machen. Ich habe schon lange davon geträumt, mal ein Kammerspiel unter freiem Himmel machen zu können, und dachte, das gehe einfach nicht: so wenige Schauspielende, so eine grosse Freilichtbühne. Aber nun geht es doch.

Weiler auf der Moosegg
3.7. bis 15.8.
www.freilichtspielemoosegg.ch

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden