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Er lässt keine sexuelle Eskapade aus: Peer Gynt (Aaron Hitz) mit einem Trollmädchen. © Joel Schweizer
Stadttheater Langenthal

Wieviel Troll steckt in ihm?

Das Theater Orchester Biel Solothurn präsentiert im Stadttheater Langenthal Henrik Ibsens Stück «Peer Gynt» – ein Marathon voller verrückter Figuren mit einem unflätigen Antihelden.

Veranstaltungsdaten

MI 18.12.2019 19.30

Er lügt, dass sich die Balken biegen: Peer Gynt (Aaron Hitz) ist bereits als Kind eine Zumutung für seine Mutter (Barbara Grimm) und die Dorfgemeinschaft. Einmal erwachsen raubt er eine Braut, vergnügt sich mit lüsternen Senninnen und handelt mit Waffen. Dabei lässt er seine wahre Liebe, die unschuldige Solveig (Antonia Scharl) im Stich. Selbst im Angesicht des Todes behält der unflätige Antiheld seinen Hochmut.

 

Henrik Ibsen schrieb «Peer Gynt» 1867 als dramatisches Gedicht und kritisierte darin unter anderem den in seiner Heimat Norwegen grassierenden Nationalismus. Ursprünglich nicht fürs Theater gedacht, schrieb Ibsen schliesslich doch eine Bühnenfassung, die 1876 im Christiania Theater in Oslo zur Uraufführung kam.

Schlittenfahrt in den Tod

Das Theater Orchester Biel Solothurn präsentiert nun den fast dreistündigen Theatermarathon mit einem spielfreudigen Ensemble, ständig wechselnden Bühnenbildern und teils grotesken Kostümen. Regisseurin Katharina Rupp lässt Peer Gynt durch Länder und Zeiten reisen, wobei er Fabelwesen, Geschäftsleuten oder Haremsdamen begegnet und dabei keine sexuelle Eskapade auslässt. So landet der Held unter anderem bei den Trollen, anhand derer Ibsen die dumpfen erdgebundenen Nationalisten seiner Heimat parodierte. Doch Ibsen rechnete nicht nur mit der Folklore ab, sondern kritisierte auch den durch die Industrialisierung aufkommenden Kapitalismus. Sein Stück, insbesondere die Trolle – heute tummeln sie sich im Internet – sind von grosser Aktualität.

Peer Gynt schwängert das mit viel Witz von Atina Tabé gespielte Trollmädchen und macht sich aus dem Staub. Wieviel Troll steckt in ihm selbst? Peer Gynt bleibt bis zuletzt ein gespaltener Charakter. So gelingen ihm auch poetische Bühnenmomente, etwa, wenn er mit seiner sterbenden Mutter eine wahnwitzige letzte Schlittenfahrt antritt. Mit seiner Fabulierlust erleichtert er ihr den Tod.

Events zu diesem Artikel

Bühne

Peer Gynt

Schauspiel von Henrik Ibsen  Theatersaal, Stadttheater, Langenthal 18.12.2019, 19.30

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