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Kim de l'Horizon erweitert die hintersinnige Komödie von Shakespeare.© Dominique Meienberg
Bühnen Bern: Vidmar 1, Liebefeld

Träumen im Mondlicht

Bühnen Bern zeigen «Ein Sommernachtstraum» von William Shakespeare. Hausautor*in Kim de l’Horizon hat daraus eine Liebeskomödie gemacht, die das Patriarchat sprengt.

Ein heterosexuelles Liebespaar flüchtet vor einer Zwangsheirat aus der Stadt Athen in den Wald. In dieser alternativen, beinahe utopischen Welt entsteht ein Verwirrspiel, bei dem sich alle Beteiligten kreuz und quer in die Falschen verlieben. Bevor sich die dadurch entstandenen Rivalen duellieren, löst der verantwortliche Feenkönig Oberon das Ganze auf und es gibt eine dreifache Hochzeit. Für Kim de l’Horizon steckt in dem Stück viel mehr als nur eine Komödie.

Kim de l’Horizon studierte unter anderem Literarisches Schreiben an der Hochschule der Künste Bern und ist nun im Rahmen des Dramenprozessors Hausautor*in an den Bühnen Bern. Dieses Förderprogramm ermöglicht ausgewählten Autor*innen, während einer Saison an einem Schweizer Theater zu arbeiten und einen Theatertext zu verfassen, der dort uraufgeführt wird. De l’Horizon bereicherte diese Inszenierung von «Ein Sommernachtstraum» mit neuen Texten. Doch was kann man bei einem Theatertext von Shakespeare, der für die Bühne üblicherweise gekürzt werden muss, noch ergänzen? Im Gespräch wird schnell klar, welches aktuelle Thema de l’Horizon hervorheben wollte: Wie die Ausbeutung von Frauen und Nichtmännern mit der Ausbeutung der Natur zusammenhängt.

Eine Stimme für die Frauen

In allen Theatertexten von Shakespeare würden Elemente stecken, die die christliche, patriarchale Machtordnung infrage stellten, sagt de l’Horizon. In «Ein Sommernachtstraum» finde man sie im Wald und im Mond: «Es gibt zwei Ordnungen: Athen, der Tag, die Sonne, das Männliche. Dem gegenüber stehen der Wald, das Mondlicht, das Weibliche, die Feen, das Vermischen von Identitäten und das Verlieben in andere Körper.» In dieser Gegengesellschaft im Wald sei die Subversion von Athen angelegt. Indem sich die Figuren im Original mit der Hochzeit wieder in die Strukturen der Stadt eingliedern, wird der Gegenentwurf am Ende aber zunichte gemacht. Genau dieser Gegengesellschaft im Wald verleiht die Inszenierung nun mehr Gesicht, unter anderem durch die Texte von Kim de l’Horizon. Die Figuren richten sich zwar auch im Original immer wieder an den Mond, der in einer feministischen Tradition steht.

Doch diese Teile sind erstens kurz und bekommen laut de l’Horizon selten wirkliche Beachtung in den Inszenierungen. So findet de l’Horizon denn auch: «Ich habe es als meine Aufgabe gesehen, für diese Frauenfiguren Text zu schreiben. Damit diese eine Stimme erhalten.»

Immer noch utopisch

Bühnen Bern adaptieren «Ein Sommernachtstraum» für ein heutiges Publikum. Eine neue Utopie findet Einzug, nicht nur in den Wald beim Mond, sondern auch in die Stadt. So fordert de l’Horizon die Figuren dazu auf, die herrschenden Strukturen permanent aufzubrechen.

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