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Tödliche Liebe: Auf der Bühne des Theater Orchester Biel Solothurn fliesst viel Blut.© Suzanne Schwiertz
Stadttheater Biel

Todgeweihte Liebende

Zu spät erkannte Liebe, List und starke Frauen: Dieter Kaegi inszeniert am Theater Orchester Biel Solothurn (TOBS) «Šárka», die früheste Oper Leoš Janácˇeks. «Verfall zu Staub, Frau Přemysls, gib Krone und Schleier, du Leichnam.» Die titelgebende Figur Šárka in Leoš Janáčeks Oper ist eine Amazone in einer Truppe kriegerischer Jungfrauen, die das Königreich Přemysls gegen eine Gruppe von männlichen Angreifern verteidigen. Listig lässt sich Šárka an einem Baum binden und kann so ihren Widersacher, Ctirad, in die Falle locken. Er, der von Šárka hingerissen ist, wird gefangen genommen und im Feuer verbrannt. Šárka kann zu spät ihre Gefühle für ihn zugeben. Reuig folgt sie ihm in den Tod.

Zeitlose Gegenwart

Die düstere Mythologie und Mystik dieser Handlung findet sich in der TOBS-Inszenierung auch in der Bühnen- und Kostümgestaltung von Francis O’Connor gespiegelt. Archaik versprüht neben der Musik unter der Leitung von Kaspar Zehnder das lodernde Feuer, in dem Ctirads Leichnam verglüht, ein Stierschädel und das auf Šárkas Kleid vergossene Blut.

Regisseur Dieter Kaegi verortet das Stück allerdings nicht in der heidnisch-romantisierten Welt der böhmischen Sage, sondern in einer zeitlosen Gegenwart.Gefängnis-Gitterstäbe und Blumenkränze, wie sie an christlichen Begräbnissen üblich sind, gehören mit zum Bühnenbild. Die Uniformen der Krieger sind schlicht und schwarz.

Die Rolle Šárkas verkörpert Sängerin Serenad Uyar, Irakli Murjikneli mimt Ctirad. Die beiden tragen Gedichte auf Aserbaidschanisch, Georgisch, Türkisch und Deutsch vor.Christiane Tambosi-Boesiger, Dramaturgin für Musiktheater am TOBS, bezeichnet die Oper mit ihrer archaischen Thematik als einen Fremdkörper im Werk Janáčeks.

Lange erwartetes Frühwerk

Was Šárka jedoch mit seinen späteren Opern verbinde, sei das wiederkehrende Thema der unerfüllten, ungelebten Liebe, so Tambosi- Boesiger: «Die Amazone Šárka, die an Penthesilea erinnert, ist ausserdem die erste der starken Frauenfiguren in Janáčeks Opern, die sich alle gesellschaftlichen Zwängen und Konventionen widersetzen». Das Werk musste wegen nicht erhaltener Rechte für das Libretto dreissig Jahre auf die Uraufführung warten.

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