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Ein Festival, an das alle eingeladen sind - insbesondere die Bernhards dieser Stadt.© Wolfgang Müller
Diverse Orte, Bern

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Was ist Bern? Was macht Bern aus? Was wählen wir aus, um Bern zu sein? Mit dem Titel «Haben und Sein. Bern – 
ein Modell» untersucht das diesjährige Bone Perfor­mance Art Festival den bernischen Common Sense – die Berner Luft.

Das diesjährige Bone Performance Art Festival will nichts Neues produzieren, sondern macht sich auf die Suche nach Bestehendem. Es sei alles schon da, so die Devise, jetzt wird bloss ausgewählt. Unter dem Titel «Haben und Sein. Bern – ein Modell» wird man sich als Besucher ganz oft auf die Suche machen. Zum Beispiel nach Holz in den umliegenden Burgerwäldern, um das Feuer zu speisen im Nydegghof, der zu einer Art Festivalzentrum wird. Dafür übrigens sucht auch das Festival selber noch: nach Menschen, die dieses warme Feuer in den kühlen Endnovembernächten betreuen.

Glücklicherweise musste das Organisationsteam wegen Corona eigentlich kaum etwas an der ursprünglichen Idee der 2020-Ausgabe ändern. Dass das Bone das Schlachthaus dieses Jahr verlassen würde, war bereits vor dem letztjährigen Festival klar. Es würde – und wird nun, zum ganz normal angesetzten und geplanten Zeitpunkt – gänzlich draussen, im öffentlichen Raum, stattfinden. Man wollte sich für «Haben und Sein. Bern – ein Modell» vom Gegebenen steuern lassen. Eventuell würde man einfach die verschiedenen Gruppen etwas kleiner halten – beispielsweise beim Programmpunkt «Ob kanalisiert, eingedolt, renaturiert», einer Wanderung am Stadtbach entlang, von seiner Quelle in Thörishaus bis zu seiner Mündung in die Aare. Die Stadtbachwanderung wurde zum Anfangs- und Endpunkt des Festivals gewählt, da er, der Bach, immer da sei. Ob man ihn sieht oder hört oder eben nicht. Er ist immer bestehend. Bern hat einfach eine Auswahl getroffen, wo er sichtbar ist. Genauso wie die Devise des Bone 2020: Es ist alles schon da, wir wählen bloss aus. Tagtäglich.

Stück für Stück

Bone ist ein Festival, an das alle eingeladen sind. Unter allen anderen, doch im Speziellen, wurden alle 141 in Bern wohnhaften Bernhards per persönlichem, handgeschriebenem Brief zum Festival eingeladen. Bereits in der ersten Phase der Vorbereitung Anfang des Jahres wurden Bernerinnen und Berner dazu befragt, was denn Bern sei, gesellschaftlich, oder wo Bern Bern sei, physisch, lokativ. Im August haben sich verschiedene Künstlerinnen und Künstler auf dieses Bern der Bernerinnen und Berner eingelassen und werden nun in der Bone-Woche ihre Eindrücke von Bern mit den lokalen und vielleicht auch weniger lokalen Besuchern teilen.

Wer indes grosse performative Produktionen erwartet, liegt falsch. Man soll sich auf die verschiedenen Szenarien einlassen. Die untersuchende August-Künstlergruppe wird sich unters Publikum mischen und so die verschiedenen Programmpunkte leiten, und steuern, aber vor allem geschehen lassen. Mehr Kollektiv, weniger affirmativ. Das Szenario, der Ort, ist dann jeweils Raum und Atmosphäre, in welchen sich Ideen und Begebenheiten, aus dem Bestehenden, entwickeln können und sollen.

Apropos suchen: Wer es doch lieber etwas gemütlich-kuschelig haben möchte und genug hat vom Draussen-Sein, der sucht ein Auto. «Das heimliche Zentrum ist ein Personenwagen» wird ein Auto im Takt der Parkfelderregelung jeweils kurz vor Fristende umgestellt. Die Fenster sind offen, es laufen endlos Hörspiele – selbstverständlich eine Auswahl aus bereits bestehendem Archivmaterial – zum Hauptthema «Haben und Sein. Bern - ein Modell». Mit Wolldecke und Maske ist reinsitzen und ohrspitzen möglich.

www.bone-performance.com

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