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Jules* Elting spielt in «Roaring» eine Person mit vielen Facetten.© Patrick Mettraux & Lukas Beyeler
Schlachthaus Theater, Bern

Solo für alle

Neuübersetzung und Entdeckung: Im Schlachthaus Theater feiert «Roaring» Premiere. Die Inszenierung überlässt einer queeren Person aus dem 17. Jahrhundert die Bühne.

Mary Frith soll die Strassen Londons mit Taschendiebstählen unsicher gemacht haben, zur Legende wurde Mary, genannt Moll Cutpurse, aber vor allem durch den unkonventionellen Auftritt in Herrenkleidung. Noch heute ist Frith, 1584 in London geboren, in England bekannt. Unter anderem dank Büchern und Theaterstücken. Mit «Roaring» bringen der Berner Autor und Dramaturg Martin Bieri und die Regisseurin Antje Schupp das berühmteste Stück, «Roaring Girl» von Thomas Dekker und Thomas Middleton aus dem Jahr 1610, auf die Bühne. Bieri übersetzte das Stück erstmals ins Deutsche.

Rollen jenseits der Binarität

Er habe das Original zwar ergänzt, um einen Bezug zur Gegenwart herzustellen, aber der übersetzte Text habe immer noch das ursprüngliche Versmass, so Bieri. Durch die Kombination mit Zitaten aus heutigen Quellen und zeitgenössischen ästhetischen, etwa musikalischen, Elementen, geschehe ein Vermengen der Zeiten.
Ausschlag für Bieri, sich mit Frith auseinanderzusetzen, war die Aktion «#ActOut», in der sich 185 Schauspieler*innen im Magazin der «Süddeutschen Zeitung» als lesbisch, schwul, bisexuell, trans*, queer, inter- und non-binär outeten. Die Botschaft: Wir waren schon immer hier und alle können alle Figuren spielen, unabhängig von Sexualität und Identität. Für das braucht es aber auch Rollen für «alle».

Eine Figur, viele Stimmen

Eine solche haben Bieri und Schupp nun für Jules* Elting geschaffen, übrigens selber auch Teil von «#ActOut». Aus dem ursprünglich als Mehrpersonenstück geschriebenen Stoff ist ein Solo geworden. Diese Verdichtung finde er dramatisch inte­ressant, erklärt Martin Bieri. Da Mary Frith in «Roaring» als trans und non-binär interpretiert werde, eröffne das Solo die Möglichkeit, die komplexe, und oft auch bedrohliche Realität von Transpersonen vielstimmig zu inszenieren: «Indem eine Figur für mehrere spricht, macht sie auch immer einen Kommentar zu deren Aussagen.»

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