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Alles ist eins, alles ist wahr: schlaflos durch die Galaxie der Verschwörungen.© Andreas Zimmermann
Tojo Theater der Reitschule, Bern

Schwindelerregendes Misstrauen

Das dystopische Stück «Alles wahr» von Journalist Daniel Di Falco handelt von Verschwörungstheorien und bedient sich an deren Erzählmethode. Die Produktion des Theater Marie läuft im Tojo Theater.

 

Voodoo-Praktiken, die zu 800 000 Verfluchungen gegen Roger Köppel führten. Und: satanistische Rituale zur Eröffnung des Gotthardtunnels. Eine Nachrichtenstimme, nüchtern wie ein ausgetrocknetes Flussbett, spricht davon, dass nicht nur Teufelsanbetung, sondern auch «der Geschlechtsakt zwischen Mensch und Geissbock» unter dem Deckmantel der Theaterförderung finanziert werde. Gäste des Rituals seien die EU-Chefs wie Hollande und Merkel und zahlreiche WEF-Teilnehmer gewesen. «Die Sponsoren: SBB und Credit Suisse».

Paranoid, hysterisch, pragmatisch

Rund um einen falschen Findling, der gleichermassen Rückzugsort und Hindernis wird, kämpfen fünf Individuen (Judith Cuénod, Barbara Heynen, Diego Valsecchi, Michael Wolf und Daniel Steiner) in grauen, uniformartigen Trainingsanzügen darum, nicht einzuschlafen. Denn sie wissen: Schlafen sie ein, erwacht in ihnen die Stimme der Vernunft. Vor dystopischer Soundkulisse (Daniel Steiner) fragen sie sich, warum die amerikanische Flagge bei der Mondlandung nicht starr wie ein Brett stand und referieren über noch lebende Besatzungsmitglieder des «Challenger»-Shuttles. Ihre Stimmen überschlagen sich, sie klingen meistens paranoid und hysterisch, dann wieder pragmatisch: «Es war auch schon einfacher, nicht verrückt zu werden.» In Zeiten der explodierenden Sprengkraft digitaler Medien ist das Misstrauen gegenüber den Nachrichten eine Entwicklung, die sich auch bei bekannten populistischen Strömungen beobachten lässt.

Verstrickter Schauder

Das vom Theater Marie inszenierte multimediale Stück «Alles wahr» stammt aus der Feder des lange beim Berner «Bund» tätig gewesenen Journalisten und Autors Daniel Di Falco. Darin verbindet er verschiedene Erzählstränge und Verschwörungstheorien und bedient sich im Text an deren Bauweise: Alles ist miteinander verknüpft und scheint einleuchtend, bei genauerer Betrachtung droht man sich aber in einem Durcheinander aus schwindelerregendem Misstrauen und metaphysischem Gruseln zu verlieren.

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