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Etienne Béchard inszeniert das Tanzstück zum «Boléro» von Maurice Ravel. © Philipp Zinniker
Stadttheater Bern

Riten, Mythen, Orgien

Gruppendynamik in der Blackbox, Faunwesen und Orgienstimmung in der Galerie – die am Ballets Russes gefeierten Avantgarde-Klassiker «Sacre/Faun/Bolero» eröffnen in neuer Choreografie die Tanzsaison von Konzert Theater Bern.

Sein Bewegungs-Markenzeichen ist das zum Bauchnabel durchgedrückte Kreuz als Drehpunkt des Körpers. Verlangsamte Handstand-Überschläge, eine Bauchrolle mit herunterhängenden Füssen und dem Hip-Hop entliehene Körperwellen, die in der Brücke münden, finden sich immer wieder beim flämisch-marokkanischen Starchoreografen Sidi Larbi Cherkaoui.

Lüsterner Faun

 Im avantgardistischen Musikstück «Prélude à l’après-midi d’un faune» von Claude Debussy lässt er vom staksigen Vogel über die geschmeidige Raubkatze zum balzenden Jungtier keine Tierfacette aus. Den Tänzerinnen und Tänzern verlangt das schwierige Bewegungsmaterial äusserste Flexibilität ab. Zusehends vermischt sich diese mit einer Sexualität, die die Exzessivität des lüsternen Fauns trifft. Der seit zwei Jahren als künstlerischer Direktor des Royal Ballet of Flanders amtierende Cherkaoui bringt seine Choreografie von 2009 erstmals Solisten einer Schweizer Kompanie bei.

Choreografien von Nijinsky

Die Tanzcompagnie des Konzert Theaters Bern (KTB) zeigt erstmals auch eine dreiteilige Veranstaltung. Mit Musik des Berner Symphonieorchesters werden die avantgardistischen Werke als Serie «Sacre/Faun/Bolero» inszeniert. Alles Stücke, die von den Ballets Russes, dem 1909 in Paris von russischen Exilanten gegründeten Ensemble, uraufgeführt wurden. Die ersten beiden in der Choreografie von Vaslav Nijinsky, der auch selbst das Faun-Solo tanzte. Der «Boléro» von Maurice Ravel choreografierte seine Schwester Bronislava Nijinska.

In der Blackbox

Das KTB verpflichtete nebst Cherkaoui das niederländisch-israelische Choreografenduo Uri Ivgi und Johan Greben sowie Etienne Béchard, der in Bern jüngst mit «Post Anima» für Furore gesorgt hat.

Ivgi & Greben haben «Le Sacre du Printemps» über heidnische Riten von Igor Strawinsky auf eine Situation in einer Blackbox übertragen – auch hier fordert die Gruppendynamik ein Opfer. Bei Béchard tanzen und entblössen sich die Tänzer des Ensembles im Rahmen einer Vernissage, die sich wie ein Crescendo zunehmend in eine laute und exzessive Orgie steigert.

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