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Ovi, Ova und Ovo in der theatralen Versuchsanordnung zur Chancengleichheit.© Donovan Wyrsch
Tojo Theater Reitschule, Bern

Philosophieren im Uterus

 Die Bühne des Tojo Theater wird zur Gebärmutter: Im Stück «Die Möglichkeiten» lässt Regisseur Aron Yeshitila unbefruchtete Eizellen über ihre Optionen und Chancen im Leben sinnieren.

Gedämpftes Licht, rot erleuchtet sind auf der Bühne die Eierstöcke, aus denen die drei Schauspielenden langsam herauskriechen. In weissen Ganzkörperkostümen und mit Hauben bekleidet stehen sie als verdutze Avatare auf einer Bühne, die an ein Science­Fiction-Labor erinnert.

 

Welt der Ungleichheit

Ovi, Ova und Ovo (gespielt von Ntando Cele, Annina Polivka und 
David Werner) sind drei unbefruchtete Eizellen, frei und unbelastet von Weltbildern und Werten – und von ihrer Gleichheit überzeugt. Bis Oovion auftaucht, eine künstliche Intelligenz, die ihnen auf Wunsch Fragen beantwortet und Statistiken, Tabellen, Eindrücke ausspuckt. In absurd schrägen und witzigen Dialogen versuchen die Eizellen die Welt zu verstehen, in die sie hineingeboren würden.

Beim Befragen ihrer persönlichen Zukunft merken sie: Die Weichen für ihr Leben nach der Zeugung und Geburt sind bereits gestellt und mit der Gleichheit ist es nicht weit her. Die Suche nach einer gerechteren Welt ist ein zentrales Thema von Regisseur Aron Yeshitila. Schon sein Theaterstück «Kings of Interests» (2018) stellte eine aussergewöhnliche Migrationsgeschichte und das despotische Regime seines Heimatlandes Äthiopien ins Zentrum.

Neue Geburt, Neuanfänge

Sein Kurzfilm «Dagu» (2019) wiederum, zu sehen an den letztjährigen Solothurner Filmtagen, handelte von einem unabhängigen Radiotalk in einer fiktiven afrikanischen Diktatur, bei der aus Angst vor Repression nur eine einzige Frau anruft.

In «Die Möglichkeiten» zeigt Yeshitila nun nicht nur ungerechte Systeme und Strukturen, sondern fragt sich, wie realistisch Neuanfänge auf der Welt sind, wenn die Ungerechtigkeit bereits im Uterus beginnt.

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