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Der Mann als Witzfigur: Odysseus alias O. (Stéphane Maeder) findet Kinderwagen «ein bisschen spartanisch».© Christian Kleiner
Vidmar 1, Liebefeld

Nur noch ein Mann

In Elmar Goerdens Stück «Die Irrfahrten des Odysseus» in den Vidmarhallen quält sich ein entmystifizierter Odysseus der Moderne durch einen surrealen Albtraum.

In «La città delle donne», einem Film von Federico Fellini, gerät ein Frauenheld an einen Ort, an dem nur Frauen leben. Das Paradies? Natürlich nicht. Denn die Frauen entpuppen sich bald als seine Richterinnen. Ähnlich geht es dem Odysseus alias O. (Stéphane Maeder) in Elmar Goerdens Drama «Die Irrfahrten des Odysseus». Es sind die Frauen und ihre Bedürfnisse, die den in der Moderne angekommenen O. quälen. Maeder verkörpert mit voller Hingabe einen Kerl, der kein Held mehr ist, sondern «nur» noch ein Mann.

Der Albtraum beginnt

«Die Irrfahrten des Odysseus» ist der zweite Teil einer Trilogie, die sich der Aktualität der alten Sagen widmet. Sein Debüt am Konzert Theater Bern gab Goerden im Februar mit «Penelope». Nach diesem Frauenschicksal lässt der deutsche Regisseur und Autor nun einen Mann stranden. O. hat sich in einer modernistischen, weissen Bühnenarchitektur verirrt. Eine Klinik? Jedenfalls beginnt sein Albtraum mit einem «Check in». Drei Frauen, «Die nicht mehr ganz Junge» (Milva Stark), «Die ganz Junge» (Nora Quest) und «Die Ältere» (Chantal Le Moign) suchen ihn heim und dekonstruieren in skurrilen Episoden seine Heldentaten.

Es sind undurchsichtige Frauenfiguren, die sich mal verführerisch, mal mütterlich, mal heimtückisch zeigen. Le Moign tritt mit nur einem Schuh und einer Augenklappe auf. Mit Stark sitzt er plötzlich in einem Parkhaus fest. Er findet sein Auto nicht mehr und erntet Vorwürfe. Quest entpuppt sich als seine Tochter, die von ihm aus dem Stegreif eine angemessene Hochzeitsrede erwartet.

Kein Scheuermittel

Goerdens Stück ist als surrealer Albtraum konzipiert. Gekonnt spielt der Text immer wieder auf die antike Vorlage an. So findet O. einen zum Verkauf stehenden Kinderwagen «ein bisschen spartanisch» oder macht sich verzweifelt Luft: «Ajax ist kein verficktes Scheuermittel! Er war mein Freund. Nun ist er tot. Vergesst ihn nicht!» 

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