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«To a simple, rock'n'roll ... song» ist eine getanzte Hommage von Michael Clark an seine rebellischen Helden wie Patti Smith.© Hugo Glenndining
Dampfzentrale, Bern

Normen aufgebrochen

In der Dampfzentrale startet das zeitgenössische Tanzfestival Tanz in Bern. Äusserst musikalisch ist die Auswahl dieses Jahr – vom Punk-Ballett bis zum Ego-Musical.

Der Engländer Michael Clark schockt zwar nicht mehr mit Nacktheit, Mittelfingern oder Drogen auf der Bühne, doch sein Ruf als Rebell ist geblieben. Auf das konventionelle Verständnis von Ballett, das der junge Tänzer an der Eliteschule in London vermittelt bekam, antwortete er in den 80er- und 90er-Jahren mit wilden Choreografien. Er gründete eine eigene Truppe, anstatt dem Royal Ballet beizutreten. Pate stand ihm die provokative Sprache aus Punk, Pop und Rock'n'Roll. Clark ging es wie den Sex Pistols da­rum, an Normen zu rütteln. «Im Ballett sind so viele Dinge verboten – Dinge, die ich mag, gebeugte Füsse zum Beispiel», sagte Clark 2014 in einem Interview. Da war der Perfektionist längst zur Ikone geworden.

Am Festival Tanz in Bern in der Dampfzentrale ist die Schweizer Premiere der neusten Choreografie der Michael Clark Company zu sehen: «To a simple, rock'n'roll … song» mit Liedern von Patti Smith, David Bowie und Klaviermusik von Erik Satie. Nach einer teils «blutleeren» Episode in Clarks zunehmend abstraktem Schaffen gelinge ihm damit wieder ein «hypnotisierender Dialog zwischen Präzision und Chaos», so der «Guardian».

Playback und Klartext

Neun zeitgenössische Choreografien stehen in Bern auf dem Programm. Die «aktuellen Diskurse rund um den menschlichen Körper» werden zudem in Vorträgen und Publikumsgesprächen thematisiert.

Am meisten sticht aber das Thema Musik heraus. Sie begleitet die Tanzenden oft nicht nur, sondern spielt eine aktive Rolle. In «Oh Magic» des österreichischen Choreografen Simon Mayer etwa verschmelzen Musiker mit ihren Instrumenten und Maschinen.

Auch die Generation Selfie tritt ans Mikrofon, nämlich in zwei Ein-Frau-Musicals. Während Anja Müller in Ghetto-Slang über Künstler-Armut rappt («La Mula – A Beatmusical»), singt Lea Moro auf Rollschuhen Playback zu Vivaldi («Fun!») . Subversion statt Provokation – so lässt sich Tanz in Bern 2017 grob auf einen gemeinsamen Nenner bringen.

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