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Sie verkörpern Julia Haennis Text: Grazia Pergoletti, Florentine Kraft und Irina Wrona (v.l.).© Felix Grünschloss
Vidmar 2, Liebefeld

Neue Kraft statt Klischees

Was tun mit der Verunsicherung in feministischen Zeiten? Julia Haennis Stück «Frau verschwindet (Versionen)» liefert Anregungen zu dieser Frage. Es kommt in der Regie von Marie Bues in den Vidmarhallen zur Uraufführung.

Weibliche Selbstermächtigung und mögliche Wege aus patriarchalen Denkstrukturen: Nichts weniger als das sind die Kernthemen in Julia Haennis zweitem Stück «Frau verschwindet (Versionen)». Da stellt sich die ­Frage, wie auch Menschen erreicht werden können, die sich ungern damit befassen. Marie Bues’ Antwort darauf lautet: «Das Stück hat grossen Humor, grosse Energie! Es betreibt kein unproduktives ‹bashen› von Männlichkeit, sondern startet den Versuch, zusammen andere Wege zu finden.» Haenni habe in ihrem Text eine gute Mischung aus Poesie und knalligen Dialogen geschaffen. «Das macht dann auch einfach Spass», sagt Bues.

Erzählt eure eigenen Geschichten!

Die Regisseurin ist spezialisiert auf Gegenwartsdramatik, am Theater Rampe in Stuttgart ist sie künstlerische Leiterin. So passt es, dass sie für das zwei­te Bühnenwerk von Haenni engagiert ­wurde. ­Haenni hat es in ihrem Jahr als Hausautorin am Konzert Theater Bern geschrieben, in einem ähnlichen Duktus wie ihren Erstling «Frau im Wald». Dort stand sie im Schlachthaus Theater noch selbst auf der ­Bühne, im neuen Stück ist sie ganz in der Autorinnenrolle.

Verkörpert wird ihr Text von den Schauspielerinnen Grazia Pergoletti, Irina Wrona und Florentine Krafft. Sie spielen die Frauen, die sich in einer ­offenstehenden Wohnung kennenlernen. Durch Spekulationen über eine verschwundene Frau, lösen sie sich von ihren gesellschaftlichen Zwängen. Nur: So einfach ist das nicht, bedienen sie doch zuerst «die übelsten Klischees, wie Frauen leben» – wie Bues es formuliert,– um sich danach in einer neuen Kraft wiederzu­finden.

«Frau verschwindet (Versionen)» ist eine Aufforderung an Frauen, ihre eigenen Geschichten zu erzählen, und befasst sich lustvoll mit den aktuell vorherrschenden gesellschaftlichen Unsicherheiten. Marie Bues lacht, wenn sie sagt: «Wenn Sie nicht wissen, wie Sie sich in feministischen Zeiten verhalten sollen, können Sie sich doch mal das Stück ansehen.» Und natürlich meint sie das auch ernst.

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