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Elisabeth Caesar und Teile des Spectyou-Teams: «Es geht jetzt darum, die kulturelle Teilhabe nicht versiegen zu lassen.»© Diana Pamela Villa Alvarez

«Mir gefällt der Gedanke der Demokratisierung»

Die Dramaturgin Elisabeth Caesar hat vor zwei Jahren mit der Entwicklung einer Streaming-Plattform für Theater, Tanz und Performance begonnen. Der Coronavirus hat sie nun zu einer vorzeitigen Lancierung bewogen. «Spectyou» hat Sitz in Bern und ging letzte Woche online.

Elisabeth Caesar, das hätten Sie wahrscheinlich nicht gedacht, dass ihre Plattform Spectyou genau zum richtigen Zeitpunkt kommt.
Definitiv nicht. Geplant war, dass wir diesen Monat online gehen und den Zugang für Theatermacherinnen und Theatermacher freischalten, um dank deren Rückmeldungen Verbesserungen vorzunehmen. Aufgrund der aktuellen Situation haben wir uns aber entschieden, Spectyou für alle zu öffnen. Es geht jetzt nicht um Perfektion, sondern darum, die kulturelle Teilhabe nicht versiegen zu lassen. Trotz der Isolation soll es möglich sein, uns durch Kunst und Kultur zu verbinden.

Für Musik und Film sind Streamingdienste gang und gäbe. Ist das für Tanz, Theater und Performance wirklich eine geeignete Form der Konsumierung?
Wir wollen und können das Live-Theater nicht ersetzen. Das Streamen von Theaterstücken ist eine von vielen Formen, um sich kulturell auszutauschen. Wichtig ist einfach, dass dieser Austausch auf einer Plattform stattfindet, welche die Künste wertschätzt. Und das tun wir mit Spectyou.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Spectyou zu gründen?
Ich war in einer kleineren Stadt und habe dort ein tolles Tanzstück gesehen. Da dieses aber in einem unbekannten Haus gezeigt wurde, blieb die Publikumszahl beschränkt. Der Gedanke hat mich motiviert, dass Stücke, die etwas weiter weg von den SBB-Gleisen stattfinden, online mehr Menschen erreichen können. Spect­you bietet ausserdem die Möglichkeit der Dokumentation, Archivierung und nicht zuletzt persönlichen Meinungsbildung. Mir gefällt auch der Gedanke der Demokratisierung: Das kleine Theater kann nun neben dem renommierten Haus stehen.

Wer bestimmt, was auf Spectyou stattfindet?
Wir kuratieren aktuell keine Inhalte. Es findet lediglich eine Verifizierung statt: Die Ton- und Bildqualität muss ansprechend und das Stück im professionellen Rahmen erarbeitet worden sein. Die Inhalte sind aktuell kostenlos zum Streamen. Mein Team und ich haben die letzten Tage unermüdlich an dieser Lancierung gearbeitet. Es ist unglaublich, was alle leisten in einer Zeit, in der wir uns nur per Telefonkonferenz sehen können. Es lässt sich also auch digital ein Zusammenhalt entwickeln. Dafür bin ich, gerade in der aktuellen Situation, enorm dankbar.

www.spectyou.com

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