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Carmillas Biss genügt, und die Grenzen zwischen den Welten der Menschen und der Vampire verschwimmen. © Iko Freese
Stadttheater, Bern

Manche mögens blutig

Jan Dvořák schrieb und komponierte für Bühnen Bern die Schauspieloper «Carmilla oder das Zeitalter der Vampire». Die Welt der Untoten ist alles andere als Neuland für ihn.

Veranstaltungsdaten

SA 03.12.2022 19.30
SO 18.12.2022 16.00
SO 08.01.2023 18.00
SA 28.01.2023 19.30
SA 25.02.2023 19.30
SO 05.03.2023 18.00
DI 07.03.2023 19.30
SO 26.03.2023 18.00
MI 29.03.2023 19.30
DO 06.04.2023 19.30
FR 05.05.2023 19.30

Die Novelle «Carmilla» von Joseph Sheridan Le Fanu erzählt von der Engländerin Laura. Sie wohnt mit ihrem Vater Joseph Hammer, einem erfolgreichen Industriellen, in einem einsamen Schloss an der öster­reichisch-ungarischen Grenze. Vater und Tochter nehmen Carmilla auf, eine junge Adlige, die sich von einem Unfall erholen muss. Wer es noch nicht geahnt hat: Carmilla ist ein Vampir. Mit ihrer Ankunft geht es Laura körperlich zunehmend schlechter. Und in der Umgebung geht seit Kurzem eine «Seuche» um, die bereits mehrere Todesopfer forderte.

Im Sog des Saugens

«Carmilla» ist nicht die erste Schauspieloper, die der Komponist Jan Dvořák geschrieben hat. Auch das Gruseln ist keine neue Leidenschaft von ihm. Er sei schon als Jugendlicher sehr an­getan gewesen von der «schwarzen 
Romantik» des 19. Jahrhunderts, meint er. Heute nehme er aber beim blutigen Stoff des irischen Autors Le Fanu durchaus noch andere Ebenen wahr: «Die Vampire widerspiegelten die Angst vor Transformationen der damaligen Zeit, ganz konkret etwa vor der Industrialisierung. Die Menschen fanden sich in dieser neuen, entzauberten Welt wenig zurecht.»

In der Schauspieloper ist die Welt der Menschen von jener der Blutsauger*innen musikalisch zunächst geschieden. Die Menschen werden von Schauspieler*innen verkörpert, während Sänger*innen als Vampire auftreten. Zwar sängen nicht nur die Vampire, aber es klinge anders, erklärt Dvořák. Die Vampire brächten das Opernhafte, aus einer anderen Zeit Stammende ins Spiel. Die gebissene Laura werde mit ihrer Sprech-Stimme zunehmend in die musikalische Sphäre der Vampire hineingezogen. Sie kann sich der Anziehung Carmillas, deren buchstäblich saugendem Sog, nicht entziehen.

Gruselig-schöne Szenen verspricht auch das Bühnenbild – ein mit Wasser bedeckter Boden im Dunkeln – und der Einsatz des Chores. Die Geigen hat Dvořák ganz aus dem Orchester gestrichen: «Für diese Welt wollte ich die Bratschen mit ihrem dunkleren, körnigen Ton in den Fokus rücken.» Die Schauspieloper dürfte viele anziehen: Opern- und Theaterfans. Und solche des Grusels.

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