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In den 50er-Jahren war Rauchen en vogue: das kultige Logo der Mary-Long-Zigaretten. © ZVG
Schloss Holligen, Bern

Leidenschaft, die Leiden schafft

Mit einer Oper, einer kulturgeschichtlichen Reise und ver­tonten Stummfilmen rund um das Thema Rauchen rückt das Schloss Holligen am Festival «Rauchzeichen» den blauen Dunst auf kritische und humorvolle Weise in den Fokus.

Als Graf Gil nach Hause kommt, riecht er Tabak. Ihn packt die Eifersucht, er vermutet, seine Frau Susanne habe Besuch von einem rauchenden Liebhaber gehabt. Ihre verlegene Miene befeuert seinen Verdacht. Um sie zu überführen, kehrt er eines Tages früher als angekündigt heim. Doch er findet keinen Liebhaber vor, sondern seine Frau, die genüsslich mit ihrem Diener eine Zigarette raucht. Sein Misstrauen löst sich wortwörtlich in Rauch auf, sie versöhnen sich und schwören sich bei einer gemeinsamen Zigarette die ewige Liebe.

Räume und Stimmen

In der Regie von Uwe Schönbeck vertonen Sopranistin Muriel Schwarz und Bariton Todd Boyce mit dem Quartett I Salonisti die Operabuffa­ «Il segreto di Susanna» des deutsch-italienischen Komponisten Ermanno Wolf-Ferrari. Die hierzulande wenig bekannte Oper sei der Anstoss für das Thema «Rauchzeichen» des diesjährigen Festivals im Schloss Holligen gewesen, wie Lorenzetta Zaugg, Mit­glied des Organisationskomitees des Schlosses, sagt. Da der Turm im Schloss wenig Platz biete, seien sie ständig auf der Suche nach kleinen, aber feinen Produktionen. «Eine Kammeroper mit nur drei Personen eignet sich dafür bestens», so Zaugg.

Töne und Geschichten

Kritisch, amüsant und lehrreich beleuchtet das Festival die Leidenschaft, die Leiden schafft. Der Akkordeonist Wieslaw Pipczynski vertont etwa die Stummfilme «Salome» (1922) und «Steamboat Bill, Jr.» (1928), in denen sich alles um den blauen Dunst dreht. Gemeinsam mit Schönbeck führt 
Pipczynski in «Hesch Füür?» anhand von Geschichten, Gedichten und Liedern zudem in die Kulturgeschichte des Rauchens ein. Sie spannen den Bogen in die 50er-Jahre, als Rauchen en vogue und ein Statussymbol war, zu der Zeit, als der frühere britische Premierminister Winston Churchill sagte: «Ein leidenschaftlicher Raucher, der immer wieder von der Bedeutung der Gefahr des Rauchens für seine Gesundheit liest, hört in den meisten Fällen auf – zu lesen.»

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