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Nicht nur hehre Absichten: die Schüler bringen Geschenke nicht ohne Hintergedanken.© Severin Nowacki
Das Theater an der Effingerstrasse, Bern

Kein Akt der Nächstenliebe

Das Theater an der Effingerstrasse nimmt sich mit «Die Erpressung» einem Weltklassiker an. Darin treffen die Ideale einer Lehrerin auf die Dreistigkeit ihrer Schüler.

Als vier ihrer Schüler vor der Tür stehen, ist Lehrerin Jelena Sergejewna überwältigt. Volodja, Vitja, Pascha und Ljalja haben nicht nur an ihren Geburtstag gedacht, nein, sie kommen sie sogar persönlich besuchen. Es hagelt Glückwünsche und Blumen werden geschenkt. Etwas Schöneres hätte ihr heute nicht passieren können.

Besuch mit Hintergedanken

Schnell wird im Stück «Die Erpressung» offenbar, dass es sich beim Geburtstagsbesuch der vier Jugendlichen nicht um einen Akt der Nächstenliebe handelt. Die jungen Frauen und Männer sind sich bewusst, dass ihnen nur durch einen guten Notenschnitt das Tor zum privi­legierten Leben offensteht. Eine Prüfung, die sie bei Jelena abgelegt haben, könnte ihnen jedoch einen Strich durch die Rechnung machen. Sie sind gekommen, um diese misslungene Prüfung zu korrigieren.

Laut Regisseur Philipp Jescheck wirft das Stück eine grundlegende Frage auf: «Welchen Preis bist du
bereit, für den eigenen Erfolg zu
bezahlen?»

Ljudmila Rasumowskaja schrieb «Die Erpressung» während der Zeit der Auflösung der Sowjetunion in den 80er-Jahren, das Buch war in Russland lange Zeit verboten. Das Theater an der Effingerstrasse bringt das im Original als «Liebe Jelena Sergejewna» betitelte Stück auf die Bühne.

«Das Stück ist wie ein Psycho­thriller», sagt Jescheck. Aktualität habe es bis heute noch, vor allem auch wegen des Generationenkonfliktes: «Wie viele junge Menschen heute, fühlen sich die Jugendlichen im Stück von der Generation ihrer Eltern um ihre Zukunft betrogen. Einerseits sollen sie die Werte des Sozialismus, der Gemeinschaft, der Aufrichtigkeit leben, anderseits sehen sie, dass in Realität nur der skrupellose Egoismus zählt.»

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