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Tanz der Dissidenten? Schauplatz International verhandelt im Schlachthaus Theater die künstlerische Neuausrichtung.© Yoshiko Kusano
Schlachthaus Theater, Bern

Innenleben im Gleichschritt

Im Schlachthaus inszeniert Schauplatz International das Stück «Cap Escape Plaisance Club», das an ein Vaudeville erinnert. Mit viel Humor erzählt es von einem Künstlerehepaar, das Standardtänze erlernt, um sich neu auszurichten.

Das Künstlerpaar Anne-Laure (Anna-Lisa Ellend) und Henri (Albert Liebl) will sich neu positionieren. Doch schon bald merken die beiden, wo sie in Bezug auf ihren Beruf und ihre Erwartungen stehen. Sie sind moderne Kunstschaffende, die vieles machen, aber nichts so richtig gut können. Um endlich etwas Gescheites vorweisen zu können, beschliessen sie, Standardtänze zu erlernen. «Es geht hier nicht um einen Tanzkurs für gute Laune, es geht um ein Trainingslager», ermutigt Henri seine Frau. Bald gelangen die beiden an einen Punkt, an dem sie merken, dass ihr Cha-Cha-Cha, Walzer und Discofox wohl nicht für den grossen Durchbruch ausreicht. Um das Ganze aufzupeppen, geben sie vor, ein iranisches Dissidentenpaar zu sein. Sie vermuten, vom Kulturbetrieb mehr Aufmerksamkeit zu erhalten, wenn eine verschleierte Frau und ein bärtiger Mann Standardtänze vorführen würden, als wenn dies ein Mitteleuropäisches Paar täte.

Philosophische Comedy

Das Stück «Cap Escape Plaisance Club» der Theatergruppe Schauplatz International vereint Tanz, Theater, Comedy und viel Musik (Johannes Mayr) mit Philosophie und erinnert an ein satirisches Vaudeville. Das Künstlerpaar entblösst sich und macht sich dabei ziemlich zum Affen, was äusserst unterhaltsam zu sein verspricht. Gleichzeitig erkennt man sich wahrscheinlich in gewissen Punkten, wie beispielsweise in ihren Beziehungsmustern, wieder. «Die britische Schriftstellerin Rachel Cusk erklärte kürzlich in einem Interview, dass sie in ihren Romanen ‹Outline›, ‹Transit› und ‹Kudos› nicht das Aussergewöhnliche suche, sondern das, was vielen Menschen innewohne. Beim Paar im Stück ist das genau so», wie Albert Liebl, der auch den Text zum Stück schrieb, erläutert. Die beiden seien Künstler, könnten aber genauso gut Lehrer sein. «Innerhalb gewisser Altersgruppen in Mitteleuropa stellen sich immer dieselben Fragen», so Liebl.

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