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Frisuren und Ovo: Was zeichnete die Schweiz in den 60er-Jahren aus?© Florian Barth
Stadttheater Biel und Solothurn

Im Ballsaal der Geschichte

«Le Bal», das Theaterstück und die Filmadaption aus den 80er-Jahren, wird am TOBS auf die Schweiz umgemünzt. Im Ballsaal erläutert Musik von Strawinsky über Yello bis Helene Fischer die 100 letzten Jahre Schweizer Geschichte.

Hat man Liebeskummer, handelt jedes Lied von einem selbst. Dieses Übertragungsprinzip funktioniert auch sonst mit der Musik – wenn man ihr denn genau zuhört. Das wird möglich in einem Theater ohne Worte am Theater Orchester Biel Solothurn (TOBS). Das Regie-Duo Deborah Epstein und Florian Barth hat sich das Stück «Le Bal» (1981) von Jean-Claude Penchenat und dem Théatre du Campagnol und die Filmadaption von Ettore Scola vorgenommen und auf die letzten 100 Jahre Schweizer Geschichte umgemünzt.

Gilberte Dada

Darin durchläuft das Ensemble ohne Worte die Schweizer Geschichte im Ballsaal – mit epochalen Ohrwürmern. Während Kleidung, Tanz und Musik wechselhaft launisch sind, überlagern sich die Stile in der Nähe zur Gegenwart zusehends. Klar, auf den ersten Blick haben ­«Gilberte de Courgenay» und Hugo Balls Dada-Gedicht «Karawane» oder ­Helene Fischers «Atemlos durch die Nacht» nichts mit der Annahme der «Masseneinwanderungsinitiative» gemeinsam ausser ihrer Jahrzahl. Doch wenn man genau hinhört, ergeben sich stimmige, tiefgründige und doppelbödige musikalische Backgrounds zum flimmrigen Weltgeschehen.

Grounding Supernatural

Konkret heisst das: Während Santana alle mit «Supernatural» von übermenschlichen Kräften träumen lässt, bleibt die Swissair definitiv am Boden. Und während Yello 1980 im Song «Bostich» die stumpfe Repetition als Prinzip hinterfragt – «Standing at the machine every day for all my life … it’s just a rush, push, cash» – dann hat dieser Text wohl mehr mit den Jugendunruhen und den Opernhauskrawallen zu tun, als man einem Technostück grundsätzlich zutraut. Beim Musical von Artur Beul «Nach em Räge schint d’Sunne» ist der Bezug zum Ende des Zweiten Weltkriegs allerdings deutlicher: «Nie isch uf der Wält für eus Schmerz so gross, das mer en mit Muet nöd träge chönnt. S’ Läbe wär ja währli nümme läbeswert, wänn de Mänsch gar nümme lache wett. Nach em Räge schint Sunne, nach em Briegge wird glacht.»

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