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Johannes Dullin: «Unsere Zeit ist geprägt von einem exzessiven Tanz um das Selbst.» © Nicolas Vermot Petit-Outhenin
Schlachthaus Theater, Bern

«Ich bin ein Narzisst»

Johannes Dullin ist ein deutsch-amerikanisch-bernischer Multikünstler. Im Schlachthaus Theater zeigt er sein Solo­stück «The best piece of this season», mit dem er den Theatermaster an der Hochschule der Künste Bern abschliesst.

Warum erheben Sie in Ihrem neuen Stück das Behaupten zur Kunst?
Ich habe mich am Anfang der Arbeit gefragt, wo die Schnittstelle von Theater und der Welt von heute liegt. Mit dem aufkommenden Phänomen des sogenannten Postfaktischen fand ich sie im Akt der Behauptung. Auf das Behaupten wollte ich dann meinen Hauptfokus legen und zum Kern des Stückes erklären. Die Behauptung ist ein Urantrieb des Theaters – Behaupten ist Storytelling, Storytelling ist Kunst.

Mit dem Thema Trump und Fake News sind Sie momentan nicht der einzige im Theater – ein Beispiel ist Elfriede Jelineks Stück in Hamburg. Man könnte sagen: ein Mainstreamthema. Wie sind Sie damit umgegangen?
Als ich das Stück schrieb, war Trump in der mittleren Wahlkampfphase und «postfaktisch» war noch nicht das Wort des Jahres. Mittlerweile ist dieses Thema natürlich recht «ausgetrumpelt». In meinem Stück spielt es aber auch keine explizite Rolle. Ich spiele lediglich mit den Mechanismen einer postfaktischen Rhetorik.

Sie treten oft als Alleinunterhalter auf, in «The best piece...» ebenso wie als Moderator der Sendung «Channel Your Art» der Hochschule der Künste Bern, und Sie führen Interviews mit sich selbst. Sind Sie ein Narzisst?
Unsere Zeit ist geprägt von einem exzessiven Tanz um das Selbst und da hopse ich, das haben Sie richtig beobachtet, ordentlich mit. Johannes Dullin ist das Objekt meiner Arbeit und ich drehe mich recht viel um dieses Objekt. Ja, ich bin wahrscheinlich ein Narzisst. Aber das muss ja nicht gleich in der Zeitung stehen.​

Was haben Sie nun, nach dem Studium, für berufliche Pläne?
Ich möchte tanzen, singen, schreiben und spielen, und dabei die Jetztzeit reflektieren. Momentan arbeite ich an neuen Stücken, die aber noch streng geheim sind. Eines heisst «Der Letzte Grosse Traum» und kommt im März 2018 heraus.

Interview: Céline Graf

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