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Delprat denkt barock, auch wenn sie elektronisch improvisiert oder komponiert.© ZVG

«Ich bin ein Motor»

Die Barockmusik begleitet sie ihr Leben lang. Doch zuhause ist sie im Theater. Musik ist mehr für Marie Delprat. Austausch. Experimente. Neues kreieren. Nun hat die Französin den kantonalen Musikförderpreis «Coup de Coeur» erhalten.
«Jetzt bin ich offiziell angekommen», sagt sie. Und lacht. Seit acht Jahren lebt Marie Delprat in der Schweiz, in Bern, in der Münstergasse «au coeur de la ville», wie sie sagt. Ihre Wahlheimat, die sie liebt. In der sie künstlerisch zuhause ist, ihr Netzwerk hat. Und nun, Mitte Dezember, hat sie den kantonalen Nachwuchsförderpreis «Coup de coeur» erhalten. Diese Anerkennung mache sie in den aktuellen Zeiten zwar überglücklich, aber sei auch total frustrierend.

Aus Bordeaux stammend und in Paris lebend, wollte sie damals nach Bern für ihr Studium der Barockblockflöte. Sie kam und blieb. Denn kurz vor dem Abschluss des Bachelors und der Entscheidung, wohin sie der Master führen solle, entdeckte sie durch einen freundschaftlichen Zufall das Théâtre Musical. Sie assistierte bei einem Stück und «da hat es ‹bumm› gemacht. Das war meine Offenbarung.» Ohne diesen Moment damals, ohne das Folgestudium in Théâtre Musical, wäre sie heute wohl keine Musikerin mehr. Da ist sie sich ganz sicher.

Barocke Regeln durchbrechen

Delprat ist Barockflöstistin. Ja. Sie ist aber auch Performerin und mischt Alte mit Neuer Musik. Spartenübergreifend arbeitet sie heute mit Tanz und Theater zusammen, komponiert elektronische Werke und lebt sie aus, genau diese Freiheit, die sie in der Barocken Musik, damals während ihres Studiums, nicht mehr spürte. Und doch: «Die Blockflöte begleitet mich, seit ich fünf Jahre alt bin.» Und wenn sie ihre Bühnenstücke komponiert, gar elektronisch improvisiert, denkt sie barock. Eine Musik voller Regeln, die kaum bis keine Freiheit erlaube. Sie kann ein­engend wirken, wie damals während des Studiums. Aber man lerne da eben auch die Basis, aufgrund derer Delprat in ihren Stücken diese barocken Regeln dann eben durchbricht.

Raus auf die Bühne

Und nun, acht Jahre nach ihrer Ankunft in Bern, nach der Gründung zweier Musikensembles (einmal barocke, einmal zeitgenössische Musik), nach drei spartenübergreifenden Bühnenproduktionen, nach zahlreichen Recherchen, also dieser Preis. Diese Anerkennung des Kantons. Diese Motivationsspritze. Und gleichzeitig eben diese Frustration. Denn Delprat will raus. Raus aus dem Atelier, raus auf die Bühne.

Die ganze Lockdown-Zeit war für sie sehr inspirierend. Sie nutzte die Zeit, um Neues aufzugleisen, zu schreiben und zu komponieren. Doch jetzt ist sie ausgeschrieben. Leer. Jetzt will sie teilen, was sie erarbeitet hat. Normalerweise zeigt sie ihre Werke etappenweise. Ihre Arbeit lebt von Begegnungen, Gesprächen und Teamwork. Es sind zwar ihre Stücke. Ihre Kompositionen. Ihre Organisation. «Ich sehe mich als Motor», sagt sie. «Doch jeder und jede, die mit mir zusammenarbeiten, bringen das Ihrige mit rein. Auf der Bühne und in der Stückentwicklung leben wir demokratisch.» Und nicht zuletzt brauche sie den Spiegel des Publikums. «Sonst lande ich in einer Stagnation.»

www.delpratmarie.com

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