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Milva Stark als Amazone Penthesilea.© Annette Boutellier
Vidmar 1, Liebefeld

Gegner und Geliebte

Am Konzert Theater Bern eröffnet Cihan Inans Inszenierung von «Penthesilea» die Saison. Der Schauspielerin Milva Stark gefällt Kleists Version der mythologischen Figur.

In den antiken Sagen endet die Begegnung von Penthesilea und Achilles auf dem Schlachtfeld bei Troja meist mit der Tötung der Amazonenkönigin. In Heinrich von Kleists Drama «Penthesilea» dagegen bringt die Titelheldin, hin- und hergerissen zwischen Stammesrecht und Herz, ihren geliebten Widersacher Achilles um. Am tragischen Ende richtet sie sich selbst.

Original umfasst Kleists Trauerspiel, das 1876 – fast 70 Jahre nach der Publikation – uraufgeführt wurde, 24 teils sehr ausführliche Auftritte. Der neue Schauspielleiter von Konzert Theater Bern, Cihan Inan, inszeniert eine Hausfassung (Dramaturgie: Sophie-Thérèse Krempl) mit Milva Stark und Alexander Maria Schmidt in den Hauptrollen.

Modernes Paar

Mit der Amazone kann sich Stark leicht identifizieren. «Sie hat eine unglaubliche Kraft. Das gibt es selten bei Frauenfiguren der klassischen Literatur», sagt sie. Zudem sei das Heldenpaar für die damalige Zeit emanzipiert: «Penthesilea und Achilles befinden sich auf gleicher Ebene, und sie hat ebenso männliche Züge wie er weibliche.»

Durch die Gender-Brille sei die Inszenierung aber nicht unbedingt zu lesen. Im Fokus stehe neben dem zeitlosen Liebe-Zerstörung-Dilemma die Frage, «was Bilder von Krieg und Leid mit uns machen». Wie bei Kleist passiert auch hier die Gewalt meist nicht unmittelbar, sondern wird von Beobachtern erzählt und reflektiert. Kleist wusste: Sprache ist schärfer als Waffen.

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