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Aus «Made in Paradise» ist «Still in Paradise» geworden: Omar Ghayatts und Yan Duyvendaks Performance hat Premiere.© Pierre Abensur
Schlachthaus Theater, Bern

Freie Fahrt voraus

Das Schlachthaus Theater feiert unter dem Motto «Don’t Look Back!» das 20-jährige Bestehen. Omar Ghayatt und Gob Squad zeigen neue Stücke.

Angefangen habe alles mit dem rosa Elefanten und der Forderung, sich jetzt bloss keinen solchen vorzustellen. «Unser Jubiläumsmotto ‹Don’t Look Back!› funktioniert wie diese Denksportaufgabe», sagt Theaterleiterin Maike Lex, die seit acht Jahren im Schlachthaus tätig ist.

Die Spielstätte mitten in der Berner Altstadt ist einer der Dreh- und Angelpunkte der deutschsprachigen Freien Szene – und das seit Januar 1998, als die erste Produktion über die Bühne ging.

Das Aus der Kleintheater

Dabei ist der Begriff Freie Szene ziemlich jung, wie Beate Hochhol­­di­nger-Reiterer, Professorin am Institut für Theaterwissenschaft in Bern, an der Pressekonferenz erklärt: «Mitte der 80er-Jahre verschob sich die Verteilung der Fördergelder. Anstatt die Beiträge an die Kleintheater zu vergeben, wurden neu einzelne Projekte gefördert.» Dies habe unter anderem das Aus der Kellertheaterszene vorangetrieben.

Theaterschaffende ohne Festanstellung formierten sich zur Freien Szene und stemmten eigene Produk­tionen, die den Weg ins Schlachthaus Theater fanden. «Dabei sollte das Theater nicht nur inhaltlich und ästhetisch, sondern auch strukturell immer wieder neu gedacht werden», sagt Lex. Unter ihrer Leitung werden die Hierarchien flach gehalten und auch Aufführungen für Kinder und Jugendliche geboten.

Immer noch im Paradies

Für das Jubiläumsprogramm gibt es eine Neuauflage von Omar Ghayatts Stück «Made in Paradise», das der ägyptische Performancekünstler während seiner Künstlerresidenz am Schlachthaus 2008 mit Yan Duyvendak entwickelte. Es handelt von Klischees und Vorurteilen gegenüber des scheinbar Fremden. Jetzt wird daraus «Still in Paradise».

Ebenfalls eingeladen ist das britisch-deutsche Kollektiv Gob Squad, das in «Dancing About» tanzend herausfinden will, ob das «Ich» zu einem «Wir» führen könne.

«Wir brauchen ein aktives Publikum, das mitdenkt und mitgestaltet», sagt Lex. Und natürlich erst recht zurückschaut, wenn es dazu aufgefordert wird, dies nicht zu tun.

 

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