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«Felix, Felix, Felix» - Wer ist er? Und wieviele?© Annette Boutellier
Mansarde, Stadttheater Bern

Felix Multiplis

Wer ist Felix und hat er etwas getan? Regisseur Henri Hüster inszeniert am Konzert Theater Bern «Aus dem Bleistift­gebiet: Felix-Szenen» von Robert Walser.

«Felix, Felix, Felix» – der Name des Protagonisten zerteilt sich wie ein Echo auf die drei Darstellenden Marie Popall, Sebastian Schulze und Gabriel Schneider. Ihre chorisch gesprochene Einleitung der «Felix-Szenen» Robert Walsers zerstückelt sich jedes Mal, wenn Felix vorkommt. Das Subjekt dieses Theaterabends ist unfassbar wie ein glitschiger Fisch. Kein Wunder also turnen die Felixe auf und in einem Pool voller Pflanzen. Dieser ist symbolischer Ort der verspielten Kindheit und Jugend, zu dem die Erwachsenen keinen Zugang haben. Ihr Platz ist der Beobachterposten auf dem Sprungturm. Der Pool bleibt ein nebelver­hangener Urwald voller exotischer Pflanzen.

Das Bühnenbild von Selina Howald ist eine einzige Analogie zu diesem unfassbaren Felix. Der erstmals am Konzert Theater Bern inszenierende Hamburger Regisseur Henri Hüster versteht die Bühne als «Raum, in dem nach Erinnerung gegraben werden kann».

«Ein fürs Theater verloren gegangener Autor»

Dass Felix unfassbar bleibt – ja bleiben muss – kommt auch daher, dass die literarische Vorlage aus losen Szenen besteht. Sie stammen aus Walsers «Bleistiftgebiet», einem von ihm in Kleinstschrift mit Bleistift geschriebenem Textkonvolut. Und weil die «Felix-Szenen» von 1925 keine klare Reihenfolge haben, hat Hüster aus dieser Not eine Tugend gemacht und beginnt mit einem Epilog über einen Mädchenmord eines Unbekannten. Damit haftet Felix immer eine leise Schuldvermutung an. Darauf folgen Szenen aus seinem Leben, das dem von Walser biografisch nahe steht. Felix ist mal als «Knirps», der «sich in vieler Hinsicht noch ein Rätsel ist», mal lustwandelnd, mal «schweizergeschichtlich gestimmt», mal in jugendlichem Autoritätskonflikt mit dem Vater oder mit dem «glühenden Wunsch, ins Schauspielertum aufzustiegen» zu sehen.

Walsers Stil ist mächtig und komplex und man möchte meinen nicht unbedingt geeignet für die Bühne. Hüster aber widerlegt dies. Er, der das «Felix»-Projekt initiiert hat, und «Sprachnaturalismus auf der Bühne ablehnt», sieht in Walser gar einen fürs Theater verloren gegangenen Autoren.

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