mitgliederwerden grey iconMitglied werden
Archiv
Es wird ziemlich biblisch bei Christina Rast und Matto Kämpf: Ihr drittes gemeinsames Stück «Zum Glück» spielt mit den Urszenen von Exodus und Gemeinschaftsmahl.© Yoshiko Kusano
Schlachthaus Theater, Bern und Heitere Fahne, Wabern

Exodus mit Happy Meal

Im Stück «Zum Glück» verhandelt das Theaterduo Matto Kämpf und Christina Rast nichts weniger als den Rauswurf aus dem Paradies. Ensemble und Publikum machen sich vom Schlachthaus Theater auf in die Heitere Fahne. Im gelobten Land winkt ein Abendmahl.

Die Besitzerin der Pizzeria «Zum Glück» sucht eine Nachfolgerin, eine ihrer beiden Töchter soll es werden. Als sie sich für die Jüngere entscheidet, ist der Ärger bei der anderen gross. So wird diese aus dem Restaurant verstossen – und bringt daraufhin ihre kleine Schwester dazu, das unter Verschluss gehaltene Testament der Mutter zu stehlen. Als der Diebstahl auffliegt, wird die Erbin der Beiz ebenfalls verstossen. Draussen müssen die zwei nun selbst schauen, wie sie zu Geld kommen. Während die Ältere zu stehlen beginnt, verkauft die andere Hot Dogs, um sich über Wasser zu halten.

Ein geradezu biblisches Szenario liegt dem Stück «Zum Glück» zugrunde. Das Duo Christina Rast und Matto Kämpf versetzt darin den Garten Eden in die Pizzeria im Schlachthaus Theater, ein Sinnbild für den Schweizer Wohlstand. Die Mutter steht dabei für Gott, die jüngere Schwester für Adam, die ältere für Satan.

Als Inspiration diente den beiden, die bereits zum dritten Mal zusammenarbeiten, der Roman «Die Kinder unseres Viertels» aus dem Jahr 1959. In der parabelhaften Erzählung über ein Kairoer Quartier und dessen Bewohner*innen verhandelte der ägyptische Literaturnobelpreisträger Nagib Mahfuz die Geschichte von Judentum, Christentum und Islam. «Zum Glück» schlägt die Brücke ins heutige Bern und legt den Schwerpunkt darauf, wie eng Glaube und Wirtschaft verschwistert sind.

Südlich von Eden

Der Trip dauert fünfeinhalb Stunden, für den Autor Kämpf kein Hinderungsgrund: «Auf Netflix tun sich die Leute doch ganz andere Dinge an. Bei uns gibt es wenigstens was zu essen und einen Spaziergang.»

Nach dem Rauswurf aus dem paradiesischen Schlachthaus (Nomen ist hier für einmal nicht Omen) begibt sich das Publikum gemeinsam mit dem Ensemble auf den Exodus aareaufwärts. Moses alias Martha führt die Wanderung in das gelobte Land Wabern an, die in eine vermeintlich leerstehende Beiz führt. In der Heiteren Fahne hat sich der lange Weg dann gelohnt: Das Volk bekommt ein Abendmahl aufgetischt.

Events zu diesem Artikel

Keine Veranstaltungen

Folgen Sie uns

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden