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«Für uns war klar: Wir müssen ‹Fräulein Julie› durch den Fleischwolf drehen.»© Felix Grünschloss
Konzert Theater Bern

«Es ist ein Powerspiel»

Von Schillers Amalia bis zu «Princess Hamlet» – Die Hamburgerin Florentine Krafft, Ensemblemitglied von Konzert Theater Bern (KTB), im Interview über Frauenrollen am Theater und die von ihr gespielte Systemsprengerin «Fräulein Julie».

Veranstaltungsdaten

DI 02.06.2020 19.30
DI 23.06.2020 19.30

Sie haben schon Schillers Luise, Amalia und Shakespeares Helena gespielt. Wie stehen Sie zu diesen Frauenrollen?
Als Anfängerin hatte ich Lust, solche Dramen zu spielen. Je älter ich werde, desto mehr gehen mir die vielen naiven Klassiker-Frauen gegen den Strich. Von solchen nicht mehr zeitgemässen Opferrollen hat man mal genug.

Welche Frauenrolle hat Ihnen besonders widerstrebt?
Schillers Amalia fand ich hart, die reagiert nur auf den Typen. Aber die Regie ist gut damit umgegangen. Endlich bin ich aus diesem Spielalter heraus, jetzt kommen dann bald die bösen Witwen.

Am KTB haben Sie mit dem Erfolgsstück «Frau verschwindet» von Julia Haenni solche Rollen angekreidet. Jetzt spielen sie «Fräulein Julie» von August Strindberg. Eine krasse Umstellung?
Das Schöne am Theater ist ja, dass man solche Klassiker bearbeiten und aus ihnen schöpfen kann. Und ich hatte totales Glück mit der Regisseurin Alexandra Wilke. Für uns war klar: Das müssen wir durch den Fleischwolf drehen. Jetzt ist «Fräulein Julie» kein Trauer-, sondern ein Powerspiel.

Sie sagen «wir» – waren Sie involviert im Umarbeitungsprozess?
Ja, vorwiegend Wilke und ich haben am Text gearbeitet. Wir haben heraus­filetiert, was uns gefallen hat, haben uns am Frauenhasser Strindberg abgearbeitet. Die Figur durchläuft extreme Höhen und Tiefen. Das ist toll zu spielen. Das muss man Strindberg lassen, in dem Sinne ist viel Fleisch an Julie.

Was ist denn «Ihre» Julie für eine?
Eine, die nicht am Frausein zugrunde geht, sie ist eine Systemsprengerin. Frau- und Mannsein ist sekundär. Wir fokussieren auf das Aufeinandertreffen zweier Menschen, die an ganz unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben stehen und sich in einer wilden Nacht emotional zerfleischen. Unser Stück spielt nicht in der Grafschaft, sondern im Theater – auch das ein Raum mit alten Strukturen und starren Hierarchien.

Welche Figur würden Sie am liebsten spielen?
Politische Frauen, die versuchen ein System zu ändern. Die «Heilige Johanna der Schlachthöfe» von Brecht könnte interessant sein, oder Schillers
Maria Stuart und Elisabeth, deren politische Ideen aufeinanderprallen. Gleichzeitig müssen die Häuser mehr Mut beweisen und auf den grossen Bühnen Platz machen für neue Stoffe, Figuren und Autorinnen und Autoren. Auch das Überschreiben von Männerrollen geschieht zusehend: Mit der Regisseurin von «Frau verschwindet», Marie Bues, machen wir in Stuttgart «Princess Hamlet».

Florentine Krafft ist voraussichtlich im Mai/Juni in «Fräulein Julie» und «FIFA – Glaube, Liebe, Korruption» zu sehen.

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