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Der Genfer Autor Dominique Ziegler hat eine Vorliebe für aneckende historische Figuren. © Joel Schweizer
Stadttheater Biel und Solothurn

«Ein wenig linkisch, ein wenig verlogen»

In Dominique Zieglers Stück «Der Trip Rousseau» wird Leben und Wirken des Autors, Philosophen und Pädagogen Jean-Jacques Rousseau in einer psychedelischen Tour de Force aufgerollt.

«Diese Gesellschaft ist eine Lüge. Kein Wunder, geht Ihr ins Theater. In einer verlogenen Gesellschaft ist es nur natürlich, die Kunst der Verstellung zu feiern (...) Ich hasse das Theater!» Der Querdenker Jean-Jacques Rousseau begrüsst die Zuschauenden in «Der Trip Rousseau» erst mal mit einer Publikumsbeschimpfung und einem Abgesang auf das Theater. Der Genfer war Autor, Philosoph und Naturforscher, Aufklärer, Wegbereiter der Französischen Revolution, eine Art naturverbundener Hippie avant la lettre («Ich will der Welt einen Menschen in seiner ganzen Naturwahrheit zeigen») mit einer schwierigen Beziehung zu Frauen. Er schrieb ein wegweisendes Buch über Pädagogik, «Émile oder Über die Erziehung», seine eigenen Kinder übergab er an Waisenhäuser. Über sich selbst sagte er: «Ich bin lieber der Mann der Paradoxa als der der Vorurteile.»

«Vor allem habe ich gelebt»

Der Dramatiker Dominique Ziegler, der bereits Stücke über Calvin und Molière geschrieben hat, hat das wilde Leben des sperrigen Revolutionärs in einem Stück verewigt. In «Der Trip Rousseau», das nun als deutsche Erstaufführung am Theater Orchester Biel Solothurn zu sehen ist, rollt er das Leben Rousseaus im Schnelldurchlauf auf. TOBS-Ensemblemitglied Liliom Lewald spielt ihn in allen Lebenslagen: bei seiner eigenen Geburt («Meine Geburt war mein erstes Unglück»), als frühreifen Jungen, als suchenden Jugendlichen, als unfähigen Vater, als lüsternen Verliebten, als unermüdlichen Wanderer («Mein Körper muss sich bewegen, damit auch mein Geist sich bewegt») und als von Intrigen vertriebenen, verbannten, paranoiden Eremiten auf der Bieler Petersinsel.

In Zieglers rasantem Text, der Leben und Werk des Denkers miteinander verbindet («Natürlich habe ich geschrieben, aber vor allem habe ich gelebt»), begegnet Rousseau Marx, Robespierre, Diderot, Voltaire und Louis XV, musikalisch begleitet wird sein Trip von den psychedelischen Songs der Doors, von John Lennon oder The Velvet Underground. Regie führt erneut Robin Telfer, der im vergangenen Jahr am TOBS bereits Zieglers Zweipersonenstück «Der Weg ins Morgenland» inszeniert hat. Im Gespräch mit der Dramaturgin Svea Haugwitz fasst Ziegler seine Faszination für Rousseau so zusammen: «Nichts hat diesen kleinen Kerl aus Genf, der ein wenig seltsam, ein wenig verlogen, ein wenig linkisch ist, per se dazu prädestiniert, der einflussreichste Denker der Geschichte zu werden. In allen Bereichen, die er in Angriff nahm, hat er Innovationen in Gang gesetzt.»

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